"Ich habe immer mein Bestes gegeben" - Marc Zwiebler @BadmintonPhoto

Interview

Marc Zwiebler: „Ich gehe zufrieden“

Nach den Weltmeisterschaften im August dieses Jahres geht eine große Badminton-Karriere zu Ende. Wir sprachen mit Rekordmeister Marc Zwiebler über seine Wahl in die Athletenkommission des Badminton-Weltverbandes, die schönsten Momente seiner Karriere und den perfekten Abschied.

Von Manuel Rösler

 

badminton.de: Marc, Du bist kürzlich in die Athletenkommission der BWF gewählt. Was sind dort Deine Ziele?

Marc Zwiebler: Natürlich bin ich sehr glücklich darüber, in die Athletenkommission gewählt worden zu sein. Es ist eine große Ehre für mich. Ich glaube, ich bin auch der erste Deutsche, der die Athleten im Badminton-Weltverband vertreten wird. Es ist schön, das Vertrauen der Spieler zu haben. Es gibt viele Punkte, über die man jetzt diskutieren muss.

Das grundlegendste Problem ist wohl, dass die Verbände zuviel Macht über die Spieler haben. Das führt bei uns in Europa nicht zu großen Problemen, weil hier die Verbände mit den Athleten sehr fair umgehen. Aber in Asien ist das häufig nicht der Fall. Dort fällt es den Spielern schwer, gegen den Verband vorzugehen. Dieses Thema ist neben der von uns angestrebten Preisgelderhöhung auf internationalen Turnieren die größte Baustelle.

Das Hauptziel für mich ist, dass wir als Spieler näher zusammenstehen und eine starke Gemeinschaft bilden.

badminton.de: Wie schwer fiel Dir die Entscheidung, Deine Karriere nach der WM zu beenden?

Zwiebler: Eigentlich gar nicht so schwer. Ich habe die Entscheidung lange reifen lassen und sie mit Freunden, Familie - aber auch mit Trainern und Trainingspartnern - diskutiert. Ich wollte keine voreilige Entscheidung treffen. Jetzt fängt nach der Weltmeisterschaft ein neuer Teil meines Lebens an.

Ich denke, dass es die richtige Entscheidung war. Ich werde natürlich so einiges vermissen. Aber jedem Sportler ist klar, dass seine Karriere endlich ist.

Wie ich schon in früheren Interviews erwähnt habe, bin ich sehr zufrieden mit meiner Karriere. Ich habe mehr erreicht, als ich mir das je hätte vorstellen können. Natürlich nicht alles - aber doch sehr viel. Ich gehe zufrieden.

badminton.de: Du hast in der letzten Zeit sehr viel mit Verletzungen zu tun gehabt. Hat das Deine Entscheidung beeinflusst?

Zwiebler: Nein. Es waren ja keine schweren Verletzungen, die mich zu einem Karriereende gezwungen haben. Es waren kleine "Wehwehchen", die einfach dazugehören. Es gibt immer mehr Turniere und auch Ligen auf der ganzen Welt. Die Europameisterschaft, zum Beispiel, gibt es jetzt jedes Jahr. Die ganzen Turniere und die Reisestrapazen sind halt schon sehr anstrengend. Vor allem, wenn man älter wird. Ich habe das fast 15 Jahre gemacht. Es ist genug.

badminton.de: Wie sehr musstest Du zuletzt die Zähne zusammenbeißen?

Zwiebler: Natürlich hätte ich in den letzten Monaten das ein oder andere Mal eine Pause gebraucht. In einer anderen Phase meiner Karriere hätte ich wohl eine längere Turnierpause eingelegt. Aber jetzt zieh' ich das noch durch. Ich probiere clever zu trainieren und die restliche Zeit zu genießen. Es ist aber schon blöd, wenn man früh aufsteht und nicht auftreten kann... aber das gehört wohl dazu.

badminton.de: Dein schönstes Erlebnis als Badmintonspieler?

Zwiebler: Komischerweise fällt mir sofort der Moment ein, als ich im Jahr 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking auf das Feld gegangen bin. Mit der ganzen Verletzungshistorie um meinen Rücken und der Tatsache, dass ich fast meine Karriere beenden musste, war das ein unbeschreibliches Gefühl.

Insgesamt gibt es aber dutzende schöne Erlebnisse. Der größte Erfolg war sicherlich der EM-Titel 2012. Aber auch der Finaleinzug in Indonesien 2013 und das Halbfinale bei den Yonex All-England im Jahr 2011 waren wunderschöne Momente meiner Karriere.

badminton.de: Wie blickst Du auf deine Karriere zurück?

Zwiebler: Mit dem Wissen von heute hätte ich sicherlich ein paar Dinge anders gemacht. Aber man kann es ja nicht mehr ändern. Es hat sich viel getan im Badminton. Vor allem in Deutschland. Die ganzen Strukturen sind jetzt wesentlich besser. Als ich 18 Jahre alt war, hatten wir so gut wie kein Krafttraining, keine Physiotherapie, keine Mentaltrainer, keine Ernährungsberater. Und wir hatten vier bis fünfmal in der Woche Training. Das ist heute natürlich wesentlich professioneller.

Aber ich habe immer mein Bestes gegeben. Oft versagt, aber auch öfters einen rausgehauen.

badminton.de: Wie geht es für Dich jetzt weiter?

Zwiebler: Ich bereite mich aktuell auf die Weltmeisterschaft vor. Das ist das letzte Highlight. Nach Glasgow werde ich zurück nach Bonn ziehen. Ich freue mich darauf, wieder zurück in der Heimat zu sein. Für den 1. BC Beuel trete ich ab der kommenden Saison auch in der Bundesliga an.

Ich habe meine Familie und Freunde während der sportlichen Karriere doch stark vernachlässigt. Ich freue mich, dann wieder mehr Freizeit und Freiheit zu haben. Ich bin zudem bei dem stringster-Projekt involviert. Ab September arbeite ich bei der RECRUITCON GmbH, einer Unternehmensberatung im HR-Recruitment-Bereich. Ich hatte das während meines BWL-Studiums als Schwerpunkt. Ich habe tolle Kollegen. Es wird sicherlich super spannend. Und ich denke, dass ich viel lernen kann.

Ich werde durch die Bundesliga und Athletenkommission dem Sport verbunden bleiben. Und vielleicht auch durch die ein oder andere Promotionaktion. Hierzu laufen gerade Gespräche.

badminton.de: Wirst Du noch internationale Turniere spielen?

Zwiebler:
Ob ich internationale Turniere spiele, weiß ich noch nicht. Lust auf ein letztes Antreten bei den Bitburger Open oder Yonex German Open hätte ich schon. Ich bin jedenfalls nicht komplett von der Bildfläche verschwunden.

badminton.de: Wie stellst Du dir den perfekten Abschied vor? 

Zwiebler: Den perfekten Abschied gibt es nicht. Ich bin froh, das Karriereende so früh bekanntgegeben zu haben. So konnte ich mich in den letzten Monaten bei Freunden und Bekannten auf den Turnieren noch verabschieden.

Den perfekten Abschied gäbe es wohl dann, wenn ich Weltmeister werden würde. Aber dann bin ich mir nicht sicher, ob es nicht den Rücktritt vom Rücktritt geben wird (lacht). Spaß beiseite ... es gibt schon die ein oder andere Idee, wie man ein lustiges Event auf die Beine stellen kann. Aber das erfordert alles sehr viel Zeit und Planung. Dazu habe ich momentan keine Nerven.

Wir danken für dieses Gespräch!

 

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