Yvonne Li (Foto: Sven Heise/BadmintonPhoto)

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Yvonne Li: Es gibt noch viel zu lernen

Im Oktober konnte Nationalspielerin Yvonne Li mit starken Leistungen glänzen: bei den Denmark Open in Odense erreichte die 22-Jährige erstmals das Halbfinale eines Super 750-Turniers und nur wenige Wochen später stand Li bei den SaarLorLux Open sogar im Endspiel.

Von Yvonne Li | BWF

 

Gegenüber der Badminton World Federation (BWF) erzählte die gebürtige Hamburgerin über ihre Kindheit, das Leben im Lockdown, prägende Duelle gegen Weltstars wie Carolina Marin und Tai Tzu Ying sowie über ihre aktuelle Form.

Eine Badminton-Familie

Mein Vater hat gerne Badminton gespielt. Er hat sich sehr viel von anderen abgeschaut und mir dann beigebracht. Er war in den ersten Jahren meiner Karriere mein Trainer. Ich habe einen älteren Bruder, wir haben viel zusammen gespielt.

Wir sind sozusagen eine Familie von Badminton-Verrückten. Sogar im Urlaub spielen wir zusammen. Auch wenn ich jetzt professionell spiele, spiele ich immer noch gerne aus Spaß mit meinen Freunden, wenn ich daheim bin. Überhaupt ist Badminton zuhause immer ein großes Thema.

Musik und backen

Ich habe früher Klavier gespielt - aber ich konnte dafür nie eine so große Leidenschaft wie für den Badmintonsport entwickeln. Es war auch irgendwie langweilig. Aber heute bin ich glücklich, dass ich Klavierspielen kann. Wenn ich Zeit habe, koche und backe ich auch gerne.

Aufgrund der Corona-Pandemie sind fast alle Turniere ausgefallen. Das ist wohl das Schlimmste für Badminton-Spieler, wenn man keine Wettkämpfe bestreiten kann. Aber für mein Studium war die Situation ganz nützlich, weil man alles online machen kann. Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen und bin im vierten Jahr. Aber es wird bei mir länger dauern als üblich, denn Badminton ist mein Hauptfokus.

Der Kampf um Konstanz

Im Jahr 2019 hatte ich meinen internationalen Durchbruch und konnte erstmals die Top-40 der BWF-Weltrangliste erreichen. Aber im (geplanten; Anm. d. Red.) Olympia-Jahr lief es dann nicht rund. Ich konnte zwar mein Ranking halten, aber hatte keine guten Turnierergebnisse. Dabei wäre es wichtig, den nächsten Schritt in Richtung Top-30 zu machen, um bei Super 750 und Super 1000-Turnieren dabei zu sein. Im Moment bin ich so auf der Kippe und weiß erst drei Tage vor dem Turnier, ob ich dabei bin oder nicht.

Ich muss an meiner Geschwindigkeit arbeiten - und an der Konstanz in meinen Schlägen. Gegen sehr gute Spieler dauern die Ballwechsel mindestens acht oder neun Schläge. Gegen diese Gegner bekommt keine einfachen Punkte mehr.

Gegen Tai Tzu Ying bei den French Open 2019

Der Anfang des Spiels war hart für mich, weil ich nicht wußte, was zu tun ist. Sie hat mich ständig getäuscht. Ich war überrascht, in welchem gemächlichen Tempo Tai Tzu Ying gespielt gespielt hat. Aber das ist ihr Spiel. Sie hatte es damit leicht gegen mich. Dann habe ich versucht, das Tempo zu erhöhen und aggressiver zu spielen. Ich konnte so einige Punkte landen und sie schien über den Tempowechsel sehr überrascht zu sein. Im dritten Satz konnte ich noch bis zum Intervall mithalten, dann zog sie davon. 

Ich hätte gerne mehr Möglichkeiten gegen Spielerinnen wie Tai Tzu Ying anzutreten.

Leben im Lockdown

Wir hatten in Deutschland nur fünf Wochen Trainingspause. Danach konnten einige von uns wieder am Stützpunkt trainieren. Es war am Anfang auch einmal ganz angenehm, das Wochenende frei zu haben und keine Turniere zu spielen.

Dann zog ich mir eine Knieverletzung zu. Es ist nichts schlimmes, aber dennoch ärgerlich, weil man nicht richtig trainieren kann.

Halbfinale in Dänemark

Ich denke, ich bin etwas reifer geworden. Aber es gibt immer noch die Phasen in meinem Spiel, wo ich vier bis fünf einfache Fehler mache. Das stört mich sehr. Ich arbeite hart daran, dass mir das in Zukunft nicht mehr passiert. 

Ich hatte zuvor noch nie gegen Carolina Marin gespielt, aber viele Videos von ihr gesehen. Das Wichtigste gegen sie ist, dass man schnell auf den Beinen ist, um ihr Tempo mitgehen zu können. Sie ist schnell und aggressiv. Ich habe kaum die Möglichkeit, gegen Spielerinnen auf diesem Level zu spielen. Ich muss auch am Netz sicherer werden.

Es war frustrierend, dass die meisten meiner erzielten Punkte nur aufgrund ihrer Fehler zustande kamen. Auf dem Level bin ich noch nicht. Man kann viel aus so einem Spiel mitnehmen. Es gibt noch so viel zu lernen.

DANISA Denmark Open 2020 | Day 5: Yvonne Li (GER) vs Carolina Marin (ESP) [3]

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