Mit der Sitzung, die am 13. Juni 2026 in Essen (Nordrhein-Westfalen) abgehalten wurde, gingen nicht allein zahlreiche einstimmige Entscheidungen einerseits und viele kontroverse Diskussionen andererseits einher, sondern auch bedeutsame personelle Veränderungen im Präsidium.
Ulrich Grill neuer DBV-Präsident
So steht dem Deutschen Badminton-Verband (DBV) nun Ulrich Grill (Neustadt-Momberg) als Präsident vor, der bislang als Vizepräsident fungierte. Er ist der zehnte Präsident in der Geschichte des 1953 gegründeten DBV. Die Delegierten sprachen zudem Robert Neumann (Buxtehude), Günter Klützke (Dortmund) und Dr. Claudia Pauli (Mülheim an der Ruhr) das Vertrauen aus, die Ulrich Grill als Vizepräsidenten und Vizepräsidentin unterstützen werden. Während Robert Neumann bereits 2025 erstmalig zum Vizepräsidenten gewählt wurde, bringen sich Günter Klützke und Dr. Claudia Pauli nun erstmalig ehrenamtlich in die Präsidiumsarbeit ein. Qua Amt gehören zudem Geschäftsführerin Daniela Blobel, Sportdirektor Jakob Høi und der Vorsitzende des Ausschusses für Jugend (AfJ) im DBV, Edi Klein, dem höchsten Gremium des Spitzenverbandes an.

Ausgeschieden sind aus dem Präsidium hingegen Ralf Michaelis und Wolfgang Wienefeld. Ralf Michaelis war im Jahr 2022 zum Präsidenten des Spitzenverbandes gewählt worden und gestaltete vorher bereits seit 2018 als Vizepräsident das Geschehen in Badmintondeutschland intensiv mit. Ihm gebührt ein herzlicher Dank für sein zeitintensives Engagement im DBV-Präsidium in den vergangenen Jahren, welches z. B. auch mit der Teilnahme an Sitzungen des Badminton-Weltverbandes BWF und des europäischen Badminton-Verbandes Badminton Europe Confederation (BEC) einherging. Wolfgang Wienefeld engagierte sich seit 2022 als Vizepräsident im DBV und zeichnete darin u. a. für die Bereiche Bundesliga und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.
Karl-Heinz Zwiebler zum DBV-Ehrenmitglied ernannt
Einmal mehr wurden im Rahmen des DBV-Verbandstages verdiente Verbandsangehörige mit hohen Ehrungen bedacht: Die Delegierten ernannten den langjährigen DBV-Vizepräsidenten Karl-Heinz Zwiebler (Bonn) zum DBV-Ehrenmitglied (siehe Beitrag: Ehrungen zum Verbandstag), während Horst Rosenstock (Solingen) – der inzwischen seit 60 Jahren ehrenamtliche Funktionen ausübt – mit dem DBV-Ehrenring ausgezeichnet wurde.
Meinungsbild zur neuen Führungsstruktur eingeholt
Breiten Raum nahm am 13. Juni 2026 der Strukturprozess ein, in dem sich der DBV aktuell befindet: In absehbarer Zeit soll eine neue Satzung verabschiedet werden, die eine veränderte Führungsstruktur vorsieht und letztlich ein moderneres, agileres Arbeiten ermöglicht. Denkbar sind z. B. ein rein hauptberuflicher Vorstand und ein Präsidium, das Aufsichtsratsfunktion übernimmt, oder ein hybrider Vorstand, der sowohl aus hauptberuflich tätigen als auch aus gewählten, ehrenamtlich tätigen Personen zusammengesetzt ist. Bernd Pfeifer, der Vorsitzende der DBV-Satzungskommission, betonte in seinem Sachstandsbericht, dass es wichtig sei, zeitnah operationalisierte Ziele zu formulieren, die Orientierung für die Zukunft des DBV („Wo wollen wir hin?“) gäben und auch Einfluss auf strukturelle bzw. personelle Entscheidungen hätten. Um Anhaltspunkte dafür zu erhalten, wie sich die neue Führungsstruktur aus Sicht der Badminton-Landesverbände gestalten könnte, wurde beim DBV-Verbandstag ein Meinungsbild zu verschiedenen Aspekten (Modell, Anzahl Personen, Kosten etc.) eingeholt. Die Satzungskommission wird nun – zusammen mit einer „Taskforce Strategieplan“ und dem DBV-Präsidium – so schnell wie möglich die neue Führungsstruktur konkret erarbeiten. Ziel ist, diese im Rahmen eines außerordentlichen DBV-Verbandstags zu beschließen.
Kommission erarbeitet eine neue Beitragsstruktur
Zeitintensiv gestaltete sich auch die Diskussion und Abstimmung über die zahlreichen Anträge zu den Mitgliedsbeiträgen für das Jahr 2027 (Anträge zur Finanzordnung bzw. deren Anlagen) sowie über die Anträge auf Änderungen von Ordnungen (in dem Fall der Geschäftsordnung, der Ehrenordnung, der Trainerordnung, der Spielordnung und der Schiedsrichterordnung), die der Versammlung vorlagen.
So beschlossen die Delegierten u. a., die Finanzkommission damit zu beauftragen, bis zum nächsten Ordentlichen DBV-Verbandstag eine neue Struktur der Gesamtmitgliedsbeiträge zu erarbeiten und dabei auch die Finanzordnung des DBV sowie deren Anlagen zu überarbeiten. Das DBV-Präsidium wird dazu die Kommissionsmitglieder neu berufen.
Angenommen wurde auch der Antrag, den der Bayerische Badminton-Verband (BBV) und Badminton NRW mit inhaltlicher Unterstützung der DBV-Aktivensprecher Fabian Roth und Jan Colin Völker gestellt hatten: Künftig werden in einer Saison fünf DBV-A-Ranglistenturniere (A-RLT-O19) – statt bislang vier – ausgetragen. Der Hintergrund: Die bislang vier Ranglistenturniere erweisen sich als attraktives Angebot und sind jeweils ausgebucht. Durch ein zusätzliches Turnier sollen das Angebot für die Spielerinnen und Spieler erhöht und der Bereich O19 insgesamt gefördert werden. Gleichzeitig wird die Auslosung zukünftig in der Regel mit dem Badminton Tournament Planner vorgenommen und in Verbindung mit einem Zeitplan zwei Tage vor Turnierbeginn online veröffentlicht.
Zurückgezogen wurden hingegen die Anträge des DBV-Präsidiums zur Arbeit der Gruppen im DBV, die sich zum einen auf die Satzung und zum anderen auf die DBV-Spielordnung bezogen. Stattdessen holten die Verantwortlichen ein Stimmungsbild zu der Absicht ein, die Aufgaben der Gruppen perspektivisch auf den DBV zu übertragen: Zukünftig soll für die Durchführung der Regionalliga- und Oberliga-Mannschaftsmeisterschaften der DBV zuständig sein. Die Abfrage ergab, dass die Mehrheit der Delegierten die Einrichtung eines Gremiums innerhalb des Referats für Wettkampfsport O19 begrüßt, welches die notwendigen Änderungen in den Spielordnungen in Zusammenarbeit mit den Badminton-Landesverbänden vorbereitet und dem Ordentlichen DBV-Verbandstag 2027 zur Abstimmung vorlegt.
Haushalte genehmigt
Die Kassenprüfer Werner Orth und Holger Hasse bescheinigten dem DBV eine hervorragende Buchhaltung und Kassenführung und beantragten entsprechend die Entlastung der DBV-Organe nach § 11 Nr. 2 bis 4 der Satzung bzgl. der Jahresrechnung 2025 und der Geschäftsführung 2025. Dieser Empfehlung folgten die Delegierten. Das Rechnungsergebnis 2025 und der Nachtragshaushalt 2026 wurden von ihnen ebenfalls genehmigt. Ein längerer Austausch ergab sich im Zusammenhang mit dem Haushalt für das kommende Haushaltsjahr 2027, letztlich wurde der Haushaltsplan aber mit deutlicher Mehrheit genehmigt.
Referatsleitungen gewählt
Turnusgemäß wurden in diesem Jahr auch Referatsleitungen gewählt. Alle bisherigen Amtsinhaberinnen und -inhaber kandidierten erneut und erhielten abermals das Vertrauen der Delegierten: Janet Bourakkadi führt somit weiterhin das Referat für Leistungssport U19, Bernd Mohaupt jenes für den Spielbetrieb O19, Jörg Hupertz ist für das Referat für Schiedsrichterwesen zuständig, Sven Weichenhain für jenes für Behindertensport und Dirk Oertker zeichnet für das Referat für Schulsport verantwortlich. Vakant blieben hingegen die Leitungen der Referate für Lehre und Ausbildung, für Breitensport und für Frauensport.
Ferner wurden Eike Boldt als Good-Governance-Beauftragter und Holger Hasse als Kassenprüfer wiedergewählt.
Deutsche Meisterschaften vergeben
Traditionell vergibt der DBV-Verbandstag auch Deutsche Meisterschaften. Die folgenden Vereine erhielten den Zuschlag für die Ausrichtung:
- 16. Deutsche Meisterschaften U13 (Samstag/Sonntag, 4./5. Dezember 2027): OTG Gera (Thüringer Badminton-Verband)
- 56. Deutsche Meisterschaften U15/49. Deutsche Meisterschaften U17/76. Deutsche Meisterschaften U19 (Freitag bis Sonntag, 10. bis 12. Dezember 2027): TuS Schwanheim (Hessischer Badminton-Verband)
- 59. Deutsche Meisterschaften U22 (Freitag bis Sonntag, 21. bis 23. April 2028): BSC Wesel (Badminton NRW)
- 41. Deutsche Meisterschaften O35 bis O80 (Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. Mai 2028): Matchpoint Berlin (Badminton-Verband Berlin-Brandenburg)
DBV-Verbandstage 2027 und 2028 in Hessen und NRW
Fest steht auch bereits, wo die nächsten beiden DBV-Verbandstage abgehalten werden: Der 63. Ordentliche DBV-Verbandstag findet – voraussichtlich am 5. Juni 2027 – in Frankfurt am Main statt und wird entsprechend vom Hessischen Badminton-Verband (HBV) ausgerichtet. Die Ausrichtung des 64. Ordentlichen DBV-Verbandstags übernimmt – voraussichtlich am 10. Juni 2028 – Badminton NRW. Der Austragungsort ist noch offen.
Schulsport, Badminton-Sportabzeichen, neue Zählweise
Unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ stellte Dirk Oertker, Leiter des Referats Schulsport im DBV, das Konzept „Schlagfertig – Badminton in der Schule“ vor und erläuterte den Anwesenden, welch enormes Potenzial der Sportunterricht für Badminton bietet.
Anke Bednarzik, stellvertretende Geschäftsführerin von Badminton NRW, wies die Sitzungsteilnehmenden darauf hin, dass Badminton NRW das Badminton-Sportabzeichen neu aufgelegt habe und der Landesverband die Druckvorlage für die Urkunde kostenfrei auch allen anderen Badminton-Landesverbänden zur Verfügung stellen würde.
Kurz angerissen wurde auch das Thema „Neue Zählweise“: DBV-Vizepräsident Robert Neumann teilte den Delegierten mit, dass das DBV-Präsidium ihnen in Kürze einen Vorschlag für die Umsetzung des neuen Systems „3x15“ unterbreiten werde.
Dank für die gute Durchführung der Sitzung
Ein Dank gilt sowohl DBV-Vizepräsident Wolfgang Wienefeld, der die Versammlung leitete, als auch dem Team aus der Geschäftsstelle des DBV für die gute Organisation der Zusammenkunft sowie Markus Bennewitz, der zum einen als Wahlleiter fungierte und zum anderen den Einsatz des erstmalig verwendeten, digitalen Abstimmungstools „votesUP!“ verantwortete.












