Yvonne Li (Foto/Archiv: BadmintonPhoto).

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Abgebrochene Olympiaqualifikation wird Anfang 2021 fortgesetzt

Wann der internationale Turnierbetrieb im Badminton wieder aufgenommen werden kann, ist nach wie vor ungewiss. Gewissheit haben die weltbesten Badmintonasse sowie deren Trainer und Betreuer allerdings inzwischen dahingehend, wie die Vergabe der Startplätze bei den Olympischen Spielen in Tokio/Japan (23. Juli bis 8. August 2021) erfolgen soll, nachdem die reguläre Qualifikationsphase aufgrund der Corona-Pandemie nicht beendet werden konnte.

Von Claudia Pauli

 

Ursprünglich war geplant, dass die Weltrangliste vom 30. April 2020 relevant für die Festlegung der Teilnehmerfelder bei den Spielen der 32. Olympiade ist. Diese hätte auf den Ergebnissen basiert, die im Zeitraum 29. April 2019 bis 26. April 2020 erzielt wurden. Dabei sollten in die Wertung internationale Turniere ganz unterschiedlicher Art eingehen – neben Welt- und Europameisterschaften etwa Veranstaltungen im Rahmen der „HSBC BWF World Tour“ (u. a. die YONEX German Open in Mülheim an der Ruhr) sowie „Continental Level“-Turniere (z. B. Veranstaltungen der Kategorien „International Challenge“ und „International Series“).

Allerdings ruht – nach einem entsprechenden Beschluss des Badminton-Weltverbandes BWF – der weltweite Spielbetrieb seit dem 16. März 2020, sodass zahlreiche Turniere, die für die Olympiaqualifikation zählen sollten, nicht ausgetragen wurden. Schon in den Wochen zuvor waren einige Turniere wegen der Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 für den jeweils geplanten Termin abgesagt worden, darunter die YONEX German Open 2020 (ursprünglich terminiert auf den 3. bis 8. März 2020). 

Wie die Verantwortlichen bei der BWF Ende Mai 2020 bekannt gaben, soll die Olympiaqualifikation im Januar 2021 fortgesetzt werden. Für die Top-Leute des DBV sind diesbezüglich insbesondere folgende Regelungen relevant: 

  • Alle Rankingpunkte, die bei Turnieren verbucht wurden, welche im Rahmen der ursprünglichen Qualifikationsphase zur Austragung kamen, werden behalten. 

  • Die reguläre Qualifikationsphase wird ausgeweitet auf die Kalenderwochen 1 bis 17 im Jahr 2021 (4. Januar bis 2. Mai 2021), wobei in jenem Zeitraum lediglich jene Turniere für Tokio zählen, die 2020 aufgrund der Corona-Krise auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurden, die ausgefallen oder nach wie vor ausgesetzt sind. Somit fungieren u. a. die YONEX German Open im kommenden Jahr (9. bis 14. März 2021) als Qualifikationsturnier für die Olympischen Sommerspiele in Japan. 

  • Turniere, die Anfang bzw. Mitte dieses Jahres nicht stattfanden bzw. stattfinden und an einem anderen Termin im Jahr 2020 nachgeholt werden, zählen nicht für die Olympiaqualifikation. Relevant sind lediglich die 2021er-Auflagen dieser Veranstaltungen. Die entsprechenden Turniere sollen 2021 möglichst in jener Woche ausgetragen werden, in der sie 2020 durchgeführt worden wären. 

„Auch wenn wir das Ziel haben, den internationalen Spielbetrieb im Herbst 2020 wieder aufzunehmen, haben wir beschlossen, die Olympiaqualifikation erst 2021 fortzusetzen – um sicherzustellen, dass Reisebeschränkungen und andere Auswirkungen der Corona-Krise begrenzt sind“, erläuterte BWF-Generalsekretär Thomas Lund in der entsprechenden Pressemitteilung der BWF. 

Martin Kranitz, der Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV), meinte: „Dadurch, dass jene Turniere, die im regulären Qualifikationszeitraum ausgefallen sind, nun 2021 für Tokio relevant sind, ergibt sich aus meiner Sicht ein fairer und transparenter Prozess. Dass die BWF den Rest der Qualifikation so spät wie möglich durchführt, ist auch deshalb sinnvoll, weil die Qualifikation immer so kurz wie möglich vor den jeweiligen Olympischen Spielen enden sollte.“ Ausschlaggebend für die Vergabe der Startplätze in Tokio ist nun die Weltrangliste vom 4. Mai 2021.

Die Zahl der Startplätze bei den Badmintonwettbewerben in Tokio bleibt trotz der neuen Rahmenbedingungen unverändert: Insgesamt gibt es 172 Quotenplätze, wobei 38 Spieler für das Herreneinzel vorgesehen sind, 38 Spielerinnen für das Dameneinzel, 32 Spieler (= 16 Paarungen) für das Herrendoppel, 32 Spielerinnen (= 16 Paarungen) für das Damendoppel sowie 32 Spieler und Spielerinnen (= 16 Paarungen) für das Mixed. Dabei dürfen pro Nation nur maximal acht Herren und acht Damen bei Olympia an den Start gehen. Zugleich ist die Teilnehmerzahl pro Disziplin auf zwei Personen bzw. Duos pro Nation begrenzt. Einem Spieler bzw. einer Spielerin oder einer Paarung ist es maximal in zwei Disziplinen gestattet, bei den olympischen Badmintonwettbewerben anzutreten.

Neben den Platzierungen in der Weltrangliste spielen im Zusammenhang mit der Vergabe der Startplätze weitere Aspekte eine Rolle – z. B. die sogenannten „Continental Confederation Places“, wonach in allen Disziplinen mindestens ein Spieler bzw. eine Spielerin oder Paarung von allen fünf Kontinentalverbänden der BWF (Asien, Afrika, Europa, Ozeanien, Panamerika) vertreten sein soll, sowie Startplätze in den Einzeldisziplinen, die auf Einladung vergeben werden (können), vergleichbar mit „Wildcards“ (sogenannte „Tripartite Commission Invitation Places“). Dies macht das Verfahren zur Vergabe der Startplätze insgesamt äußerst komplex. 

Als Mitte März 2020 der weltweite Spielbetrieb ausgesetzt wurde, wären aus Deutschland in vier Disziplinen Badmintonasse für Tokio qualifiziert gewesen: Kai Schäfer (SC Union Lüdinghausen) im Herreneinzel, Yvonne Li (ebenfalls SC Union Lüdinghausen) im Dameneinzel, Mark Lamsfuß/Marvin Seidel (1. BC Wipperfeld/1. BC Saarbrücken-Bischmisheim) im Herrendoppel und Mark Lamsfuß/Isabel Herttrich (1. BC Wipperfeld/1. BC Saarbrücken-Bischmisheim) im Mixed. Alle genannten Aktiven des DBV würden in Tokio ihre Olympiapremiere feiern. 

„Unsere Spielerinnen und Spieler haben nun im Prinzip die gleiche Ausgangsbasis für die Olympiaqualifikation wie vor dem Lockdown. Rechnerisch besteht z. B. auch noch im Damendoppel – durch Linda Efler/Isabel Herttrich (SC Union Lüdinghausen/1. BC Saarbrücken-Bischmisheim) – die Chance, das Ticket zu lösen. Umgekehrt können diejenigen, die nach aktuellem Stand für Tokio qualifiziert sind, nicht sicher sein, dort antreten zu dürfen. Dass sie noch eingeholt werden, gegebenenfalls sogar durch DBV-interne Konkurrenz, ist durchaus möglich“, sagte DBV-Sportdirektor Martin Kranitz nach der Bekanntgabe der neuen Regularien. 

Die Badmintonwettbewerbe werden im Rahmen der Olympischen Spiele traditionell in der ersten Veranstaltungswoche ausgetragen. Termin im Jahr 2021 ist der 24. Juli bis 2. August.

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