Isabel Herttrich und Mark Lamsfuß (Foto: BadmintonPhoto)

International

Das Rennen um die Startplätze für Tokio hat begonnen

Knapp 15 Monate vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in Tokio (24. Juli bis 9. August 2020) hat für die Spitzenspielerinnen und -spieler des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) die zwölfmonatige Qualifikationsphase für das Multi-Sport-Event in Japans Hauptstadt begonnen, bei dem die Badmintonwettbewerbe vom 25. Juli bis zum 3. August ausgetragen werden.

Von Claudia Pauli


„Der Badminton-Weltverband BWF hat für Tokio 2020 die gleichen Kriterien wie für Rio 2016 festgelegt. Das einzige, was sich seitdem verändert hat und was uns entsprechend eine etwas andere Strategie abverlangt, ist die Tatsache, dass durch die Einführung der World Tour im Jahr 2018 noch mehr Turniere ausgetragen werden. Das bedeutet, dass auch mehr Weltranglistenpunkte ‚auf dem Markt‘ sind, also mehr Spielerinnen und Spieler Punkte gewinnen können“
, erläutert DBV- Sportdirektor Martin Kranitz.

Relevant für die Festlegung des Teilnehmerfeldes bei den Spielen der 32. Olympiade ist die Weltrangliste vom 30. April 2020. Diese basiert auf den Ergebnissen, die im Zeitraum 29. April 2019 bis 26. April 2020 erzielt wurden. Dabei zählen für die Wertung internationale Turniere ganz unterschiedlicher Art – neben Welt- und Europameisterschaften etwa Veranstaltungen im Rahmen der HSBC BWF World Tour (u. a. die YONEX German Open in Mülheim an der Ruhr) sowie BWF Kontinental-Tour-Turniere (z. B. Veranstaltungen der Kategorien International Challenge und International Series).

Doch neben den Platzierungen in der Weltrangliste spielen weitere Aspekte eine Rolle – z. B. die sogenannten „Continental Confederation Places“, wonach in allen Disziplinen mindestens ein Spieler bzw. eine Spielerin oder Paarung von allen fünf Kontinentalverbänden der BWF (Asien,

Afrika, Europa, Ozeanien, Panamerika) vertreten sein soll, sowie Startplätze in den Einzeldisziplinen, die auf Einladung vergeben werden (können) – vergleichbar mit „Wildcards“ (sogenannte „Tripartite Commission Invitation Places“).

Dies macht das Verfahren zur Vergabe der Startplätze insgesamt äußerst komplex. So ist z. B. auch von Bedeutung, wie viele Spieler bzw. Spielerinnen oder Paarungen aus einer Nation am 30. April nächsten Jahres ganz vorne in der Weltrangliste vertreten sind, und ob Nationale Olympische Komitees (NOK) Quotenplätze, die Spieler bzw. Spielerinnen oder Paarungen von ihnen belegen, zurückgeben.

Durch diese und weitere Faktoren bestehen gerade im Rennen um die letzten Startplätze viele Unwägbarkeiten. Insofern wird erst einige Zeit nach Beendigung der Qualifikationsphase Gewissheit darüber herrschen, wer alles in Tokio aufschlagen darf.

Nachdem bei der olympischen Premiere der Sportart Badminton im Jahr 1992 (Barcelona/Spanien) „nur“ Medaillen in den Disziplinen Herreneinzel, Dameneinzel, Herrendoppel und Damendoppel vergeben wurden und somit zu Beginn auf die Disziplin Mixed verzichtet wurde, umfasst das olympische Badmintonturnier seit 1996 (Atlanta/USA) alle (fünf) Disziplinen. Auch 2020 in Japans Hauptstadt messen sich somit die besten Herren, die besten Damen, die besten Herrenduos, die besten Damenduos und die besten Gemischten Doppel.

Insgesamt gibt es in Tokio 172 Quotenplätze: 38 Spieler sind für das Herreneinzel vorgesehen, 38 Spielerinnen für das Dameneinzel, 32 Spieler (= 16 Paarungen) für das Herrendoppel, 32 Spielerinnen (= 16 Paarungen) für das Damendoppel sowie 32 Spieler und Spielerinnen (= 16 Paarungen) für das Mixed. Dabei dürfen pro Nation nur maximal acht Herren und acht Damen bei Olympia an den Start gehen. Zugleich ist die Teilnehmerzahl pro Disziplin auf zwei Personen bzw. Duos pro Nation begrenzt.

Grundsätzlich gilt: Im Herreneinzel und im Dameneinzel hat eine Nation zwei Quotenplätze in der betreffenden Disziplin, wenn in der Weltrangliste vom 30. April 2020 zwei Spieler bzw. Spielerinnen unter den besten 16 geführt werden. Ist im World Ranking des Badminton-Weltverbandes BWF ein Athlet bzw. eine Athletin vertreten, erhält die von ihm bzw. ihr repräsentierte Nation in der betreffenden Disziplin einen Startplatz.

In den Doppeldisziplinen gestaltet sich das Ganze noch anspruchsvoller: Im Herrendoppel, im Damendoppel und im Mixed hat eine Nation zwei Startplätze in der betreffenden Disziplin, wenn in der Weltrangliste vom 30. April 2020 zwei Duos unter den besten acht Paarungen geführt werden. Ist im World Ranking des Badminton-Weltverbandes BWF eine Paarung vertreten, erhält die von ihr repräsentierte Nation in der betreffenden Disziplin einen Startplatz.

Ein Spieler bzw. eine Spielerin oder eine Paarung darf ganz allgemein maximal in zwei Disziplinen bei den olympischen Badmintonwettbewerben antreten.

Während in den Doppeldisziplinen alle Quotenplätze auf der Basis der Weltrangliste vom 30. April 2020 vergeben werden, erfolgt die Vergabe in den Einzeldisziplinen lediglich für jeweils 34 der 38 Quotenplätze über das Ranking der BWF. Die anderen jeweils vier Plätze stehen u. a. für die Vergabe von „Wildcards“ zur Verfügung.

Im Zusammenhang mit Rio de Janeiro 2016 verzeichnete der DBV einen bemerkenswerten Erfolg, indem es dem Spitzenverband gelang, sich erstmalig im Herreneinzel, im Dameneinzel, im Herrendoppel, im Damendoppel und im Mixed für Olympia zu qualifizieren.

 

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