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„Habe gelernt, geduldig zu sein!"

Durch die A-Trainerausbildung habe ich Laura Strunz persönlich kennenlernen dürfen. Laura und ihr Mann beherbergten mich während meiner Müllheim-Aufenthalte in ihrem Haus, wofür ich ihnen immer noch dankbar bin. Die Besuche waren immer sehr unkompliziert und angenehm. In den Seminaren habe ich sie als sehr wissbegierig, aufmerksam und taff erlebt.

Von Michael Clemens

 

Trotz Zusatzbelastung durch ihren neugeborenen Sohn (drei Wochen vor Ausbildungsbeginn) war sie stets ausgeglichen und für jeden Scherz zu haben. Laura bewies mit ihrem Auftreten während der gesamten Trainerausbildung, dass Frauen in diesem Beruf wichtig sind und die Vereinbarkeit von Familie möglich ist. Im folgenden Interview wird das Augenmerk vor allem auf die durchlaufene A-Trainerausbildung 2019/20 sowie auf Badminton-Trainerinnen in Deutschland gelegt. 

Wieso ist Badminton die beste Sportart für Dich?
"Grundsätzlich ist die Komplexität von Badminton einfach atemberaubend, das geforderte Maß an Schnelligkeit, Raffinesse, Vielseitigkeit begeistert mich immer wieder. Im Kleinen ist es die Gemeinschaft im Verein, die den Sport liebenswert macht."

Wann hast Du Dich für das Hobby Trainerin entschieden?
„Ich wurde bereits mit 14 Jahren in Form einer Juniortrainerausbildung an die Tätigkeit herangeführt. Dies geschah durch meine damalige Trainerin im Rahmen des Vereins. Bewusst dazu entschieden habe ich mich nach dem Ende des Studiums, als ich feststellen musste, dass mein Badmintonwissen eine Auffrischung vertragen könnte. Darauf folgte der klassische Ausbildungsweg von der C- über die B- zur A-Lizenz. In Zukunft kann ich mir mehr Engagement im Bereich des Badmintons vorstellen.“

Warum bist Du Trainerin? Was bedeutet die Tätigkeit für Dich?
„Ich finde Badminton ist der beste Sport, den es gibt! Es begeistert mich Tag für Tag wie andere Menschen Spaß an den Bewegungsmustern unserer Sportart haben. Weiter bewundere ich den Einsatz der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen jede Woche ins Training zu kommen.“

„Im Training arbeite ich mit Kindern, das macht mir Spaß und bietet einen gelungenen Ausgleich zu meinem Beruf in der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis. Wie auch in meinem Beruf habe ich großes Interesse und Freude an Weiterentwicklung, komplexen Situationen und dafür Lösungsstrategien zu finden.“

„In meinem Verein, dem Badminton-Club Rot-Weiß Borbeck, treffe ich auf einige meiner langjährigen Freunde. Zusätzlich unterstützte mich mein Heimatverein bei der Entwicklung als Trainerin sehr (finanziell und mental). Ich möchte gerne etwas zurückgeben von dem, was mir ermöglicht wurde. Gleichzeitig möchte ich die Entwicklung des Vereins vorantreiben, ihn noch zukunftsfähiger aufstellen und möglicherweise auch professionellere Strukturen aufbauen.“

Wer hat Dich geprägt als Trainerin? 
„Generell sind für mich alle Badmintontrainer*innen Vorbilder, die sich trauen als Trainer*in in Vollzeit zu arbeiten! Ich bewundere ihren Mut und die Entschlossenheit. Ich durchlaufe zudem ein Mentorenprogramm, das derzeit im Badminton-Landesverband NRW angeboten wird (weitere Informationen dazu).

Das Mentorenprogramm mit Holger Hasse als Mentor ermöglichte mir einige Hospitationen am Deutschen Badminton Zentrum in Mülheim, bei dem ich einige Eindrücke des Trainerberufs sammeln konnte.  Auch der Austausch mit den anderen Mentees über ihre persönlichen Entwicklungsthemen war gewinnbringend. Ich bin auf viele begeisterungsfähige Menschen getroffen, die alle das Ziel verfolgten, sich weiterzuentwickeln.“

Drei Dinge die Du als Trainerin gelernt hast?
„Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Weiter, dass ich nicht meinen 'eigenen Stiefel' durchziehen sollte, sondern die Athlet*innen an der Trainingsgestaltung beteiligen sollte.“

„Leider habe ich gelernt, dass viele Trainer*innen "Eigenbrötler" sind. Ich denke Konkurrenz ist wichtig und belebt das Geschäft, jedoch benötigt Badminton-Deutschland meiner Meinung nach mehr Kommunikation untereinander.“

„Fairness ist eines der wichtigsten Gebote. Achte darauf, wie du andere Menschen behandelst, schätze sie und sie werden dir Respekt entgegenbringen. Sei offen im Umgang mit Kritik und reflektiere dein Verhalten.“

TOP 3, die ich in der A-Trainerausbildung gelernt habe:

  • Badminton als analytisches Spiel
  • Badminton irre ist komplex, zuvor in dieser Form nicht wahrgenommen (z.B. Athletik)
  • Lebenslanges Lernen, wenn man gut werden will

Wie war die Vereinbarkeit von Trainerausbildung und Geburt des ersten Kindes?
„Durch die Elternzeit war ich zeitlich natürlich sehr flexibel, neben dem alltäglichen Beruf hätte die Trainerausbildung eine deutlich höhere Hürde dargestellt.“

„Großer Dank geht an die flexible Ausbildungsleitung, die mir Mut zusprach und Interesse an mir zeigte, diesen Weg mitzugehen.“

„Es war ein sehr intensives und anstrengendes Jahr, das nicht immer wie geplant verlief. Ich bin froh, es gemacht zu haben und kann diesen Weg jeder Frau empfehlen!“

Mit welchem Thema hast du Dich in der Projektarbeit des A-Trainers beschäftigt?
In meiner Projektarbeit ging es um Kinderanfängertraining.

Meine Take-Aways:

  • Kurze prägnante Worte (Keywords) nutzen, die leicht zu visualisieren sind. Ich bin davon überzeugt, diese können Wunder wirken!
  • Viel mehr für Kinder im Alter von 0 bis 3 tun, bzw. ein Bewusstsein bei den Eltern schaffen. Hier werden meiner Meinung Meilensteine in der motorischen Entwicklung erreicht, die später schwer aufzuarbeiten sind
  • Anregendes Trainingssetup schaffen, in dem die Kinder viele Bewegungswiederholungen erleben

Was macht Dein Training aus?
„Mein Training ist strukturiert, spaßig und flexibel.“ 

Welche Momente im Training zaubern Dir ein Lächeln ins Gesicht?
„Wenn die Kids am Ende einer Einheit enttäuscht sind, dass die Zeit vorüber ist, dann lächle ich. Das ist ein gutes Zeichen. Schmunzeln muss ich besonders, wenn sich die Kids in meiner U11-Gruppe mal wieder ein Tier überlegen und dieses auf fantastische und kreative Art und Weise imitieren.“ 

Was war Die in Deinen Augen härteste Maßnahme, die Du angewandt hast?
„Ich bin kein Fan von Strafen und bin überzeugt davon, dass sie am Ende nicht zielführend sind. Motivation ist besonders gut über positives Feedback zu erreichen. Und über Belohnung kann man sie auch erhöhen. ?Leider musste ich aber zwei Jungen in meiner Trainingsgruppe separieren, sie durften nur noch getrennt erscheinen. Das wiederholt sich hoffentlich nicht wieder.“ 

Welcher Rat hat Dir in Deiner Karriere am meisten geholfen? 
„Es ist hilfreich, ganz verschiedenen Trainerpersönlichkeiten bei ihrem Handwerk zuzusehen. Am Ende musst du aber deine eigene Philosophie entwickeln“ 

Welchen Tipp möchtest du allen Trainer*innen in Badminton-Deutschland mitgeben? 
„Die Geburt eines Kindes ist viel weniger Hindernis als man glaubt!“
„Sich als Frau mehr im Trainerberuf trauen. Wir haben Fähigkeiten, die Männer nicht haben!“ 

Was war Deine emotionalste Erfahrung als Trainerin bisher?
„Einer meiner Athleten wollte aufhören Badminton zu spielen, weil er sich von mir schlecht behandelt gefühlt hat. Das Verhältnis zwischen uns war nicht besonders gut, ich habe ihn aber nicht bewusst schlechter behandelt. Dieses Ereignis hat mich nachhaltig sensibilisiert mich als Trainerin öfter zu hinterfragen. Heute pflegen wir ein gutes Verhältnis zueinander!“ 

Vision Verein 

Was passiert bei Euch zurzeit? Vision für Deinen Verein?

„Derzeit sind wir ein Verein mit circa 180 Mitgliedern. Da ich in Zukunft Interesse an einem Hauptamt als Trainerin anstrebe, liegt es mir am Herzen, den Kinder- und Jugendbereich deutlich auszubauen. Dazu stehen einige Projekte vor uns, die wir trotz Covid-19 Situation in den nächsten Jahren gemeinsam angehen wollen:

  • Nachwuchsarbeit über Kooperationen mit Grundschulen für Schnuppertrainings ausbauen. Bereits erfolgreich im März 2020 gestartet mit über 100 Kindern im Sportunterricht, die an einem Tag Badminton ausprobieren konnten, eingestellt durch Covid-19. 
  • Trainingszeiten umstrukturieren, um mehr Trainingszeiten zu generieren
  • Neue qualifizierte Trainer*innen ausbilden
  • DBV-Talentscouts ausbilden
  • Gemeinsame FSJ-Stelle mit einem Kooperationsverein schaffen

Was fehlt Deiner Meinung nach in Deutschland, um langfristig mehr Spieler*innen in die internationale Spitze zu führen?
„Meiner Meinung nach müssen wir den Badminton-Breitensport verbessern und breiter machen. Ein Ansatzpunkt ist hier vor allem der Kinder- und Jugendbereich, in dem wir deutlich besser werden können.  Das gelingt uns nur dann, wenn wir bereits in frühem Alter Kinder für Sport allgemein und die Sportart Badminton im Spezifischen begeistern.“

„Ein weiterer Bereich ist die Trainerausbildung. Hier sollten viele Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten für neue und auch eingesessene Trainer*innen angeboten werden. Eine Steigerung der Trainerqualität schlägt sich hoffentlich auf die Qualität des Trainings nieder.“

„Wir benötigen viele Junge Menschen, die sich an ihre Vereine gebunden fühlen und ehrenamtliches Engagement einbringen. Nur so kann meiner Meinung nach eine nachhaltig gesunde Vereinsstruktur aufrechterhalten werden.“ 

Wieso haben wir in Badminton-Deutschland zu wenige Trainierinnen? 
„Ich denke, einigen Frauen fehlt der Mut sich vor einer Gruppe darzustellen, was ich sehr gut verstehen kann. In unserer festgefahrenen Struktur sind Frauen als Trainerin selten - und somit ist es ungewohnt. Mir ist leider schon aufgefallen, wie das Urteil oder Coaching einer Frau weniger als das eines männlichen Teamkollegen Wert ist.“

„Schon im Jugend Alter habe ich gemischte Gruppen als Co-Trainerin trainiert, was sich als taff und herausfordernd für mich herausstellte. Die Haupttrainerin war jedoch sehr schlagkräftig im Umgang und unterstützte mich, sodass meine Unsicherheit schnell wich.“

„Die Vereinbarkeit von Beruf „Trainerin“ und Familie ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite hat man vor allem vormittags viele Möglichkeiten sich mit dem Kind zu beschäftigen, jedoch ist man oft abends und am Wochenende unterwegs.“

„Es gibt viel zu wenige Frauen in DBV-Positionen. Hier könnte man ansetzen und bewusst Frauen in höhere Positionen bringen, um diese in die Struktur zu binden. Wir brauchen Vorbilder!“

„Bezüglich der Trainerausbildungen wäre es natürlich wünschenswert weibliche Referenten zu finden oder auszubilden, die hier Aufgaben übernehmen. In meiner Laufbahn als Trainerin sind mir sehr wenige Referentinnen begegnet!“

Szenarien:

In Deiner aktuellen Trainingsgruppe befinden sich zwölf 13-jährige Mädchen, was unternimmst Du, um sie nachhaltig an den Verein zu binden?
„Ich setze auf Kommunikation! Ob Kaffeeklatsch mit Kuchen nach dem Training, ein offenes Ohr für Probleme oder Unternehmungen, ich bin dabei!“

Isabel Herttrich frägt bei Dir Individualtraining an, fühlst Du Dich bereit? 
„Darüber würde ich mich richtig freuen! Gleichzeitig kann ich dem Anspruch von Isabel (noch) nicht gerecht werden, ich benötige noch Zeit und Expertise. Mit Training im Leistungssportbereich habe ich keine Erfahrungen. Sehr gerne würde ich als Co-Trainerin agieren oder funktionieren.“ 

Du beschließt von heute auf morgen dein Hobby als Trainerin hinzuschmeißen, was machst Du stattdessen?
„Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Ein wichtiger Teil meines Lebens besteht aus Badminton, auch nach der Geburt meines Sohnes traf man mich schnell wieder in der Sporthalle an.“

„Da ich den mentalen Aspekt von Sport sehr interessant finde, würde ich die Zeit aber nutzen, um mich im Bereich Sportpsychologie fortzubilden.“

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