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Hitzewelle: Tipps zum Umgang mit hohen Temperaturen in der Halle

Am Wochenende werden vielerorts Temperaturen von über 37°C erwartet, auch in den Sporthallen wird es heiß und stickig. Für alle, die jetzt trainieren oder spielen, haben wir Tipps zum Umgang mit der Hitze zusammengestellt und zeigen, ab wann sie gefährlich wird.

Von Anne Portscheller & Miranda Wilson

 

Notfall-Hinweis: Was tun bei Hitzschlag-Verdacht?

Ein Hitzschlag liegt vor, wenn eine Person nach intensiver Belastung in der Hitze verwirrt, benommen wirkt oder sich ungewöhnlich verhält, zum Beispiel aggressiv oder nicht mehr passend zur Situation. Auch eine stark erhöhte Körpertemperatur (über 40°C), Sprachstörungen, Krämpfe, Zusammenbrechen oder Bewusstlosigkeit können auftre-ten. Bei diesen Anzeichen muss sofort gehandelt werden, auch wenn die Körpertempera-tur gerade nicht gemessen werden kann.

1. 112 rufen.

2. Die betroffene Person sofort in einen kühlen Raum bringen (falls es draußen auf-tritt, sofort in den Schatten), Kleidung lockern und den gesamten Körper so schnell wie möglich mit kaltem Wasser oder nassen Tüchern kühlen.

3. Die Kühlung möglichst bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortsetzen.

4. Ist die Person bewusstlos, stabile Seitenlage und Atmung kontrollieren.

Ganz wichtig: Nicht auf den Krankenwagen warten und nichts tun. Sofort beginnen zu kühlen. In der Sportmedizin gilt „Cool first, transport second" [5], sprich vor Ort kühlen, bevor der Rettungsdienst eintrifft.

Tipps zum Hitzeschutz vor, während und nach dem Spiel

Im Sport unterscheidet man drei Phasen der Kühlung: vor dem Spiel (Pre-Cooling), wäh-rend des Spiels (Per-Cooling) und nach dem Spiel (Post-Cooling). Die folgenden Empfeh-lungen orientieren sich am Musterhitzeschutzplan des DOSB/BMG [2].

1. In den Tagen vor dem Wettkampf
Bestenfalls bereits 2–3 Tage vor dem Wettkampf die Flüssigkeitsaufnahme erhö-hen (ca. 3 Liter pro Tag, je nach Körpergewicht und Spielintensität). Am Wett-kampftag regelmäßig in kleinen Schlucken trinken, auch ohne Durst. Geeignet sind Wasser, ungesüßter Tee, verdünnte Saftschorlen oder isotonische Getränke. Bei längeren oder sehr intensiven Spielen sollte auf einen Elektrolyt-Ausgleich ge-achtet werden.

2. Direkt vor dem Spiel (Pre-Cooling)
Die Körpertemperatur sollte möglichst schon vor der Belastung gesenkt werden. Dafür eignen sich kalte Duschen 10–15 Minuten vor dem Aufwärmen, kühles Was-ser trinken, Kühlpads bzw. ein kaltes Handtuch im Nacken oder eine Kühlweste, sofern vorhanden. Alternativ an kühlen Orten in der Halle (Keller, Geräteräume) aufhalten.

3. Während des Spiels (Per-Cooling)
Crushed Ice in ein (Mikrofaser-)Handtuch rollen und um den Nacken legen, zu-sätzlich ein feuchtes kaltes Handtuch über die Beine. Das kühlt den Körper inner-halb von 60–90 Sekunden messbar herunter und wurde bei den Australian Open (Tennis) erfolgreich erprobt. Im Badmintonsport jede Satzpause aktiv für Kühlung nutzen, dazu in kleinen Schlucken trinken. Wenn vorhanden, hilft eine Kühlweste für den Oberkörper zusätzlich.

4. Nach dem Spiel (Post-Cooling)
Bei Hitze fließt verstärkt Blut in die Haut, um Wärme abzugeben und durch das Schwitzen gehen Flüssigkeit und Elektrolyte verloren. Beides verlangsamt die Re-generation. Deshalb sollte auch nach Belastung aktiv weitergekühlt werden, z.B. kaltes Wasser über Unterarme und Unterschenkel, kalte Duschen oder in die Eis-tonne. Auch Trinken bleibt wichtig, dabei Elektrolyte ergänzen, etwa über ver-dünnte Säfte, Elektrolytgetränke oder salzige Snacks. Statt direkt nach draußen in die Sonne zu gehen, lieber kühle Räume aufsuchen.

5. Trainingsumfang und -intensität anpassen
Trainingszeiten n die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegen. Aus-dauereinheiten können durch Technik-, Taktik- oder Koordinationseinheiten er-setzt werden, häufigere und längere Pausen helfen zusätzlich. Während der Wett-kampfvorbereitung lohnt sich die ehrliche Frage an uns selbst: Muss heute wirk-lich über die Belastungsgrenze hinaus trainiert werden? [2]

6. Aufeinander achten
Wer selbst überhitzt, merkt es oft als Letzte oder Letzter. Deshalb lohnt es sich, in den Spielpausen aktiv nachzufragen: „Ist alles ok? Wie fühlst du dich? [2]".

Vom Outdoor-Sport zum Hallensport

Im Outdoor-Sport gibt es Hitzeschutzmaßnahmen schon länger: Cooling-Breaks auf der ATP-Tour, verlängerte Halbzeitpausen in der australischen Rugby League, zusätzliche „Hydration-Breaks" bei der aktuellen Fußball-WM. Was lange als Outdoor-Thema galt, rückt nun auch im Hallensport auf die Agenda: Sporthallen heizen sich bei Außentempe-raturen über 35 °C massiv auf, und die meist eingeschränkten Lüftungsmöglichkeiten machen es Trainingsgruppen und Wettkampfausrichtenden zusätzlich schwer. Der im Juni 2025 veröffentlichte „Musterhitzeschutzplan für den organisierten Sport" des DOSB/BMG adressiert deshalb explizit Verbände und Vereine, ohne Unterschied zwi-schen Indoor- und Outdoor-Sportarten [2]. Im DOSB-Förderprojekt „Cool Court" entwi-ckelt der DBV gemeinsam mit KATE Umwelt & Entwicklung e.V. deshalb bis Jahresende eine Klimaanpassungsstrategie und konkrete Hitze-Empfehlungen für den Badmin-tonsport. Für das aktuelle Wochenende haben wir bestehende Forschungsergebnisse und Best-Practice-Beispiele aus anderen Sportarten zusammengetragen.

Warum Sport bei hohen Temperaturen gefährlich werden kann

Bei körperlicher Belastung erzeugen die arbeitenden Muskeln viel Wärme, die der Körper über die Haut und durch Schwitzen abgibt. Bei hohen Außentemperaturen funktioniert das jedoch immer schlechter, bei hoher Luftfeuchtigkeit (z. B. durch viele Menschen in einer Halle) verdunstet auch der Schweiß kaum noch. Die Sportmedizin spricht dann von „anstrengungsbedingten Hitzeerkrankungen" (Exertional Heat Illness, EHI). Die WHO zählt Sporttreibende deshalb ausdrücklich zu den Risikogruppen für klimabedingte Ge-sundheitsrisiken [1].
Hitzeerkrankungen entwickeln sich schrittweise, von milden Beschwerden bis im schlimmsten Fall zum Hitzschlag [3, 4]. Steigt die Körperkerntemperatur stark an, etwa ab 40 °C, reichen die körpereigenen Regulationsmechanismen oft nicht mehr aus. Dann können wichtige Körperfunktionen gestört werden, eine starke Entzündungsreaktion kann einsetzen, und Kreislauf, Organe sowie das Gehirn können ernsthaft gefährdet sein. Das gilt auch für fitte Sporttreibende.

  • Leichte Beschwerden: Hitzeausschlag, Muskelkrämpfe, Schwellungen an Hän-den und Füßen. Meist helfen Pause in kühlen Räumen und ausreichendes Trinken.
  • Hitzeerschöpfung: Müdigkeit, starkes Schwitzen, Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit, meist noch klar ansprechbar. Belastung sofort beenden, kühlen, trinken.
  • Hitzschlag: Verwirrtheit, ungewöhnliches oder aggressives Verhalten, Sprach-störungen, Krämpfe, Zusammenbruch oder Bewusstlosigkeit. Medizinischer Not-fall (Vorgehen siehe oben).

Zeit ist bei Hitze der entscheidende Faktor

Hitzschlag gilt in der Sportmedizin als eine der häufigsten Ursachen für plötzliche Todes-fälle im Sport [3]. Entscheidend ist die Geschwindigkeit der Kühlung: Das Risiko für Org-anschäden steigt mit jeder Minute ohne Kühlung, und die kritische 30-Minuten-Schwelle ist oft schneller erreicht, als ein Rettungswagen vor Ort sein kann (Dr. Kristen Kucera, Na-tional Center for Catastrophic Sport Injury Research, University of North Carolina at Cha-pel Hill). Daraus hat die Sportmedizin den Ansatz „Cool first, transport second" entwi-ckelt, vor Ort kühlen, bevor transportiert wird [5]. Das Korey Stringer Institute der Univer-sity of Connecticut dokumentiert sehr gute Überlebensraten, wenn die Kühlung inner-halb von 10 Minuten nach Kollaps beginnt [4].

Da Hitze gerade ein so präsentes Thema ist, möchten wir von euch wissen: Wie heiß war es in eurer Halle? Welche Probleme gab es im Training und Wettkampf? Unsere bundes-weite Umfrage zum Umgang mit Hitze läuft bis zum 12. Juli. Die Rückmeldungen fließen direkt in die Verbandsrichtlinien ein: Hier zur Umfrage.

Quellen

[1] Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro für Europa (Hrsg.) (2011). Public Health Advice on Preventing Health Effects of Heat: New and Updated Information for Different Audiences. Kopenhagen. https://www.who.int/europe/publications/i/item/WHO-EURO-2011-2510-42266-58691
[2] Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.) (2025). Bundesempfehlung: Musterhitze-schutzplan für den organisierten Sport. Erstellt von KLUG – Deutsche Allianz Klimawan-del und Gesundheit e. V., Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, DOSB. Stand Juni 2025. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/hitze
[3] Périard, J. D., DeGroot, D., & Jay, O. (2022). Exertional heat stroke in sport and the mili-tary: epidemiology and mitigation. Experimental Physiology, 107(10), 1111–1121. DOI: 10.1113/EP090686. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9826288/
[4] Korey Stringer Institute, University of Connecticut. Exertional Heat Stroke – Diagnos-tic Criteria and Treatment. ? https://koreystringer.institute.uconn.edu/heat-stroke/
[5] Belval, L. N., et al. (2018). Consensus Statement – Prehospital Care of Exertional Heat Stroke. Prehospital Emergency Care, 22(3), 392–397. DOI: 10.1080/10903127.2017.1392666 ? https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/10903127.2017.1392666

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