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"Man muss Badminton leben"

Der Weg zum Badminton war für Karsten alles andere als klar. In früher Kindheit führte Karsten drei Sportarten auf Wettkampfbasis aus: Fußball, Tanzen und Badminton. Der Anteil an Badminton stieg über die Jahre stetig an und verdrängte mit 18 Jahren die anderen beiden Sportarten komplett.

Von Michael Clemens

 

Seine Passion zum Organisator, Trainer und "Mann für alles" führt Karsten auf Erfolgsgeschichten zurück. Seiner Überzeugung nach kommt mit Erfolg auch Verpflichtung. Als Organisator sind seine größten Triumphe die Durchführung eines Länderspiels 2007 und die allererste Deutsche Rangliste in Gera. Als Trainer schloss er 2010 die A-Trainerlizenz ab und konnte nicht erst seitdem viel Erfahrung mit verschiedenen Gruppen sammeln. 

Viele Meilensteine seines Lebenslaufes fügen sich positiv in seine Erfahrungen, Tätigkeiten und seinen Werdegang ein. Ein wichtiger Bestandteil ist die elfjährige Nebentätigkeit in einem Kino. Die geschlossenen Kontakte eröffneten ihm in den kommenden Jahren eine Vielzahl an Vorteilen. Nicht nur konnte Karsten Werbung im Kino für seinen Badmintonverein machen, sondern auch während der Staatsexamensvorbereitung auf die volle (finanzielle) Unterstützung seines Kinochefs vertrauen. Das erste Staatsexamen stellte sich für Karsten als Belastungsprobe dar. Im gleichen Monat zog seine Familie in ein neues Haus und wurde parallel durch ein zweites gesundes Kind gesegnet. Er lernte in diesem Jahr, dass sich harte Arbeit und Durchhaltevermögen auszahlt. Weiter zwang ihn dieser Lebensabschnitt dazu, Aufgaben besser zu strukturieren und auch mal abzugeben. Der zuvor häufige "JA-Sager Karsten Besser" musste lernen nicht mehr alles alleine zu machen. Nach dem Referendariat erhielt Karsten nicht wie erhofft die Planstelle an seiner Einsatzschule. Die zuvor erworbene Kompetenz der eigenen Lebensstruktur und eine hohe Flexibilität halfen ihm bei der Bewältigung und dem Festlegen nächster Aufgaben. Er bewarb und unterrichtete bis zur Festanstellung und Verbeamtung an zwei privaten Schulen Geographie, Ethik und Sport. Dies bedeutete ihm eine Vielzahl an Kontakten, welche er bis heute versucht gut zu pflegen.

Wieso ist Badminton Deine Leidenschaft?
„Meine Frau sagt oft das erst Badminton kommt und dann sie, diese Aussage fasst meine Leidenschaft für diese Sportart gut zusammen. Vor mir gab es in Gera mehrere Badminton-Abteilungen. Diese sind nun fast alle zusammengeführt. Der Geraer Badmintonsport muss an einem Strang ziehen. Meiner Meinung nach folgt auf Erfolg auch Verpflichtung!“

Wie bekommst Du Dein Engagement und Familie unter einen Hut? 
„Man muss Badminton einfach leben, es gab Jahre an denen ich 48 Wochenenden in der Halle stand. Das Studium hat sich dadurch enorm verlängert. Meine Prioritäten lagen auf Badminton. Dies hat natürlich zu Konflikten mit meiner Frau geführt.“ 

Wann hast du Dich für das Trainerdasein entscheiden?
„Da es in meinem damaligen Verein keine Trainer*innen gab, habe ich mit 14 Jahren direkt im Verein meine ersten Trainertätigkeiten durchgeführt. Das war 1998 und ohne Trainerlizenz. Vier Jahre später habe ich dann die C-Lizenz erworben, woraufhin ich weitere vier Jahre später die B-Lizenz anhängte. Zwischen meinen ersten beiden Trainerlizenzen habe ich eine Vielzahl an verschiedenen Gruppen trainiert, diese ragten vom Freizeitspieler bis zum Spezialsporttraining am Sportgymnasium Jena. Im Jahr 2010 habe ich dann meine A-Trainerlizenz angeschlossen. Ich war sehr motiviert mich selbst fortzubilden, sehr viel dazu beigetragen haben die Bundestrainer und Referenten Holger Hasse, Detlef Poste und Marcus Busch.“

„Mein ursprünglicher Plan nach dem Studium war es, am Sportgymnasium in Jena als Lehrer und Badmintontrainer zu arbeiten. Leider hat dies damals aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert.“  

Warum bist Du Trainer? Was bedeutet die Tätigkeit für Dich? 
„Mir macht es grundsätzlich Spaß und Freude mit Kindern- und Jugendlichen zu arbeiten. Zudem ist die Arbeit als Trainer immer auch erfolgsorientiert, es ist quasi ein Handwerksberuf, in dem man nach der Arbeit Fortschritte erkennt. Kinderlachen begeistert mich, darüber hinaus finde ich das Anbieten von alternativen Lernräumen wie eine Badmintonhalle großartig. Vereine haben für mich auch eine gesellschaftliche Verantwortung, weil hier - egal aus welcher sozialen Schicht - Freunde, Kontakt und Spaß erlebt werden kann.“ 

Wer hat Dich geprägt als Trainer? 
„In meiner Trainerlaufbahn haben mich verschiedenste Schlüsselfiguren geprägt und begleitet. Zum einen nenne ich an dieser Stelle Detlef Poste und Holger Hasse, zum anderen Dirk Nötzel, Mathias Jauk und Volkmar Burgold. Alle vier haben mich auf ihre Art und Weise begeistert und motiviert.

Welche drei Dinge hast Du als Trainer über dich selbst gelernt?
„Zum einen bin ich deutlich geduldiger geworden, zum anderen habe ich gelernt mit Niederlagen umzugehen. Wenn mein Spieler verliert, sehe ich das als Niederlage und Enttäuschung für mich selbst. Eine letzte Fähigkeit ist eine Art Zielstrebigkeit & Durchsetzungsvermögen. Nur wenn man ein Ziel zielstrebig und hartnäckig verfolgt, wird man am Ende dafür ausgezahlt werden.

Weiterhin bin ich davon überzeugt, dass man als guter Funktionär oder Trainer bereit sein muss, zu verzichten!“

Auf welchem Gebiet bist Du Experte?
„Mit meiner A-Trainerlizenz sowie als examinierter Lehrer bin ich der am besten ausgebildete Trainer in Gera. Ich bin in allen Lebenslagen hilfsbereit und sage so gut wie nie Nein!“

Was macht Dein Training aus?
“Sehr entspanntes, freudbewusstes Training, auf die Kinder eingehen, Übungen für Kinder so auf die Wünsche der Kinder ummünzen, dass sie gut und hart trainieren, ohne dass sie es merken. Trainingslager auch mal sehr gerne, extrem hart.”

Was ist Dein Erfolgsgeheimnis als Trainer?
„Die Frage, die man sich immer als Erstes stellen sollte, ist die, ob man wirklich erfolgreich als Trainer ist? Erfolg kann auf verschiedenen Ebenen sein. Mein Erfolg in Badminton-Gera ist auf die absolute und bedingungslose Aufopferung meiner selbst für die Spieler*innen zurückzuführen.“
 
Welcher Rat hat Dir in deiner Karriere am meisten geholfen? 
„Die letzten drei Jahre hat mich Hannes Käsbauer motiviert, reaktiviert und geprägt. Ich finde seine Art und Weise plus die Entwicklung in der DBV-Bildung top.“

Welchen Tipp möchtest Du allen Trainer*innen in Badminton-Deutschland mitgeben? 
„Was man anfängt, macht man auch zu Ende und harte Arbeit kommt auch zum Erfolg. Zudem sollte man immer bedenken das ein sportlicher Erfolg Teamarbeit ist!“

Was ist Deine Geheimwaffe, um Athleten zu motivieren?
„Ich habe nicht den einen Tipp, um Athleten zu motivieren. Es sind viele Faktoren durch die ich den Zugang zu meinen Athleten*innen finde. Hauptsächlich sind das: Spaß im Training, eine familiäre Bindung und den spürbaren Fortschritt durch das Training.“ 

Was war Deine emotionalste Erfahrung als Trainerin bisher?
„Wie vorher schon erwähnt, nehme ich Niederlagen oder negative Ereignisse durch meine Selbstbezogenheit nicht sehr gut auf.  Damals habe ich über ein Jahr mit einer jungen Spielerin intensiv früh morgens trainiert. Dass sie aus verschiedenen Gründen nicht an den Stützpunkt in Mülheim gegangen ist, war damals ein harter Rückschlag für mich.“

Das tollste und aufregendste Ereignis bisher war die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft 2012 in Gera, einfach nur Klasse.“

Zum Schluss erzählt Karsten von seinen Visionen und aktuellen Projekten. Ebenfalls veranschaulicht er seine Meinung zur Entwicklung des Badmintonsports in Deutschland und seiner zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit. 

Was passiert bei Euch zurzeit? Was ist Deine Vision für eine gute Struktur, Vereine und Verbände?
„Seit drei Jahren geht es in meinem Verein wieder deutlich aufwärts im Nachwuchsbereich. Hier verfolge ich das Ziel viele Landestitel zu holen und viele meiner Athleten*innen auf das Sportgymnasium/den DBV-Nachwuchsstützpunkt in Jena zu bringen. Mein größtes Anliegen ist es jedoch, so viele Kinder und Jugendliche wie möglich für Badminton zu motivieren. Im Lehrwesen möchte ich mehr Bildungslehrgänge anbieten und die C-Trainerausbildung in Thüringen weiterentwickeln und verbessern.“

Vision Verband

„Noch ist das Ehrenamt bei uns im Verein und Verband erfolgreich. Ich hoffe innigst, dass wir dieses Niveau in den nächsten Jahren halten können. Weiter würde ich mich über viele Medaillen an überregionalen Turnieren freuen und dass mehr Menschen in Badmintonhallen schauen.“

Was muss in Deutschland deiner Meinung nach verbessert werden, um langfristig mehr Erfolg in der Sportart international zu haben? 
"Für mich sind es vier Säulen, die zentral für die Weiterentwicklung von Badminton-Deutschland und somit auch die internationale Wettkampffähigkeit sind:
Die besten Trainer*innen müssen an die Basis und in den Anfängerbereich. Nur wenn auf dieser Ebene gute Technikausbildung stattfindet, ist eine gute weitere Entwicklung der Athleten*innen möglich. Im Bereich U7 bis U11 sollten wir viel mehr auf Masse gehen. Die Turniere in diesen Altersklassen sollten randvoll sein.
Ein Bundesligaverein ist ein Spotlight und Aushängeschild für den Sport, hier sollte gute Arbeit im Nachwuchsbereich gemacht werden. Deshalb sollten alle Bundesligavereine mindestens zweimal die Woche Nachwuchstraining bei/mit einem A- oder B-Trainerteam anbieten. Des Weiteren braucht es viel mehr "Local Heroes" und Trainer*innen, die sich für ihre Region und ihren Verband maßlos einsetzen. Nur durch viel Arbeit und Verzicht können wir viel erreichen, nach dem Motto 'harte Arbeit zahlt sich aus'.

Der Bereich Bildung muss eine zentrale Rolle spielen. Im Rückblick auf die letzten Jahre sehe ich bereits eine gute Entwicklung. Das entworfene Konzept mit dem Ziel einheitlicher inhaltlicher Rahmenbedingungen in Deutschland unterstütze und begrüße sehr. Jedoch kann und muss das Angebot deutschlandweit weiter ausgebaut und die Trainerausbildung stetig verbessert und entwickelt werden. 

Es muss eine Anpassung bzw. gerechte Bezahlung für Trainer*innen erfolgen, damit auch die (direkte) Förderung der Badmintonspieler*innen weiter ausgebaut werden kann. Geld ist ein großer Motivator für viele Menschen. Auch das Ehrenamt der Zukunft wird hiervon noch mehr betroffen sein, es gibt einfach immer weniger Menschen, die sich in Vereinen engagieren wollen. 

„Wenn wir Erfolg in Deutschland haben wollen müssen wir mit Kopf und Herz bei unseren Spieler*innen sein. Zudem müssen wir unser Wissen besser austauschen und verknüpfen.“

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