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Vom Hinterhof-Federball mit Oma zum Bundestrainer

Vor 28 Jahren hat Michael Fuchs den Weg vom Hinterhof-Federball mit seiner Oma zum Badminton gefunden. Beide Elternteile haben damals selbst aktiv Badminton gespielt und gleichzeitig sehr engagiert in der Badmintonabteilung des TV Marktheidenfeld mitgewirkt

Von Michael Clemens

 

Das Trainingsangebot für Kinder- und Jugendliche unter der Leitung von Joachim Klein entfachte die Begeisterung von Fuchsi für den Badmintonsport. Getrieben von dieser Motivation steigerte er die nächsten Jahre sein Trainingspensum stetig. In den folgenden Jahren begegnete er vielen Trainern, die seinen Weg mitzeichneten. Für die Jugendzeit nannte Michael Fuchs neben Joachim Klein auch noch Manfred Ernst, Johann Niesner und Udo Lehmann als einflussreiche Trainer. An die vielen Reisen quer durch Deutschland und vor allem nach München zu den Kader-Lehrgängen des Bayerischen Badminton-Verbandes hat er viele gute Erinnerungen.

Im Erwachsenenbereich, das heißt am Bundesstützpunkt in Saarbrücken arbeitete er unter anderem mit Detlef Poste, Oli Muelbredt (OSP-Athletiktrainer), Jakob Hoi und Jacob Oehlenschlaeger zusammen. 2016 nach den Olympischen Spielen in Rio beendete er seine internationale Karriere und war anschließend bis Ende 2020 für den Schweizer Badmintonverband (Swiss Badminton) tätig. Bis zuletzt war er dort Head Coach Junioren und nun "zurück" und ist seit Anfang Januar 2021 Bundestrainer Nachwuchs im DBV. Wieso sich Michael Fuchs dazu entschieden hat, nach 15 Jahren Leistungssport hauptberuflich als Trainer zu arbeiten sowie viele weitere Informationen rund um seine Trainertätigkeiten, erfahrt ihr im Interview.

Informationen zur Spielerkarriere von Michael Fuchs gibt es hier.

Was begeistert Dich so an der Sportart Badminton?
„Am Badmintonsport begeistert mich vor allem, dass es unfassbar viele verschiedene Möglichkeiten gibt, siegreich zu sein.“

Warum bist Du Trainer? Was bedeutet die Tätigkeiten für Dich?
„In mir wohnt unglaublich viel Begeisterung und Liebe zum Badmintonsport. Mein Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich mit dem „Badmintonvirus“ anzustecken.“

Wer hat Dich als Trainer geprägt?
„Als Trainer hat mich John Dinesen unglaublich weitergebracht. Durch die gemeinsame Arbeit in der Schweiz hatten wir einen intensiven Austausch und ich habe ihm sehr viel zu verdanken.“

Gibt es drei zentrale Dinge, die Du als Trainer gelernt hast?
„Als Trainer habe ich gelernt, dass jede*r Athlet*in anders auf gewisse Methoden, Coaching oder Trainingsvarianten reagiert. In diesem Zusammenhang musste ich auch feststellen, dass bestimmte Dinge bei Athlet*in A gut funktionieren, bei Athlet*in B jedoch noch lange nicht funktionieren muss. Außerdem habe ich gelernt, geduldiger zu bleiben, wenn es um die Vermittlung von einzelnen technischen oder taktischen Inhalten, aber auch um die gesamte Spielerentwicklung geht.

Wie sollte eine optimale Trainingsatmosphäre für erfolgreiches Training aussehen?
„Im Training sollte eine gute, positive Stimmung herrschen, die durch sehr viel Energie und Lern- bzw. Arbeitsbereitschaft der Athlet*innen geprägt wird.“

Was ist Dein Spezialgebiet?
„Im Laufe meiner eigenen Spielerkarriere habe ich eine Menge Erfahrung und eine gewisse Expertise im Herrendoppel und Mixed erworben. Dazu konnte ich in der Schweiz auch einige tiefere Einblicke in die Einzeldisziplinen in verschiedenen Alters- bzw. Leistungsklassen gewinnen. Dennoch würde ich die Doppeldisziplinen als mein Spezialgebiet bezeichnen.“

Wo siehst Du Potential in deiner Weiterentwicklung?
„Generell würde ich mich noch als sehr jungen Trainer – zumindest was die Jahre im Trainer-Geschäft angeht – bezeichnen. Daher sehe ich für mich noch in vielen Bereichen Potential zur Weiterentwicklung. Einerseits möchte ich mich im gesamten Technikbereich weiter fortbilden. Nur durch ein klares Technikbild kann man eine*n fortgeschrittene*n Athlet*in weiter ausbilden. Andererseits lerne ich auch immer wieder neue Vermittlungsmethoden und Herangehensweisen kennen. Hier hört der Methodenkoffer einfach nie auf zu wachsen. Zudem würde ich auch gerne in den Bereichen Athletik und Psychologie noch ein paar Dinge dazulernen.“

Aus der Spielerkarriere in die Trainerkarriere: was nimmst Du mit?
„Im Laufe meiner 15 Jahre als Badminton-Profi habe ich natürlich auch Fehler gemacht. Zumindest einige davon möchte ich meinen Spieler*innen ersparen. Die Erfahrungen, die ich selbst gesammelt habe, möchte ich bewusst einsetzen und somit Prozesse bei meinen Athlet*innen beschleunigen und einige „Irrwege“ verkürzen oder sogar vermeiden. Natürlich sollen und müssen die Spieler*innen auch ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Dennoch bin ich der Meinung, dass sie nicht unbedingt alle Fehler, die ich schon „stellvertretend“ für sie gemacht habe, nochmals machen müssen.“

"Ab einem bestimmten Niveau können vermeintliche Details einen riesigen Unterschied machen. Auf verschiedenen Turnieren rund um die Welt habe ich aufgrund solcher „kleiner Fehler“ das ein oder andere knappe Match verloren. Diese Erfahrungen möchte ich sowohl auf Turnieren als auch im Training, das heißt in meinem Coaching und in meinen Trainingseinheiten gewinnbringend einfließen lassen.“

Was sind Deine drei Tipps, wie man als Trainer*in im Training auftreten sollte?
„Es ist wichtig ein enges Vertrauensverhältnis zu Athlet*innen zu haben ohne dabei die Rollenverteilung zwischen Trainer*in und Athlet*in außer Acht zu lassen. Weiter lege ich großen Wert auf ehrliche und offene Kommunikation zwischen Trainer*in und Athlet*in. Zum Thema Wertevermittlung hilft es aus meiner Sicht sehr, wenn Trainer*innen das, was man von Athlet*innen fordert, auch vorleben.“

Hast Du "Best-Practice"-Übungen fürs Herrendoppel bzw. Mixed, die Du gern gemacht hast?
„Wenn immer möglich, habe ich die folgenden Übungen in meiner Aufwärm-Routine vor den Matches gemacht. Damit konnte ich alle für mich relevanten Spielelemente in komprimierter Form nochmals durchgehen und mich damit optimal auf den Wettkampf vorbereiten.“

  • Hinterfeld/Halbfeld vs. Abwehr/Vorderfeld -> Ziel als Hinterfeldspieler bzw. Angreifer ist es, die Initiative zu halten und die Ballwechsel in einer „kontrollierten Offensive“ zu dominieren
  • Box vs. Netz-> Der Zuspieler setzt den Übenden aus dem Vorderfeld unter Druck. Dieser muss die gesamte Box (Doppel-Feld ohne Vorder- und Hinterfeld) abdecken und dabei möglichst alle Bälle mit guter Qualität ans Netz bzw. in den Midcourt zurückspielen. Ziel ist es, möglichst häufig die Attacken aus dem Vorderfeld zu neutralisieren oder sogar zu kontern.
  • Spieleröffnung -> Aufschlag, Aufschlagannahme und 3. Schlag

Mit welcher Maßnahme bekommst Du Unpünktlichkeit in den Griff?
„Wir haben in unserer Trainingsgruppe eine Verabredung, dass alle Spieler*innen mindestens 5 Minuten vor Trainingsbeginn in der Halle sein müssen. In den ersten 15 Minuten der Trainingseinheit wärmen sich die Athlet*innen gemäß ihren individuellen Warm-Up-Programmen auf und dann geht es eine Viertelstunde nach Beginn der Einheit intensiv los. Dann erwarte ich von jedem Trainingsteilnehmer, dass er/sie Vollgas geben kann. Wer also etwas länger braucht, als die 15 Minuten zu Beginn der Einheit, um Vollgas geben zu können, der muss noch etwas früher in die Halle kommen. Bisher hat diese Verabredung mit ganz wenigen Ausnahmen richtig gut funktioniert.“

Welches Wort verwendest du am häufigsten beim Loben deiner Athlet*innen?
„Meines Wissens nach habe ich nicht das EINE Wort, das ich immer zum Loben verwende. Ich würde behaupten, ich nutze oft „Klasse“, „Stark“, „Gut“ oder „Super“.

Welche Momente im Training zaubern Dir ein Lächeln ins Gesicht?
„Wenn bei den Athlet*innen der Groschen gefallen ist.“

Welcher Rat hat Dir in Deiner Trainerkarriere am meisten geholfen?
"John Dinesen hat mir unglaublich viele wertvolle Tipps mit auf den Weg gegeben. Spontan fallen mir seine Ratschläge zur Trainingsplanung und -durchführung ein. Anstatt ein Training im Vorfeld minutiös durchzuplanen, wie ich es anfangs sehr häufig gemacht habe, gehe ich jetzt viel flexibler an die Sache heran. In meiner Planung für eine Trainingseinheit lege ich inzwischen nur noch ein Trainingsthema bzw. -ziel und eine Ausgangsübung fest, mit der ich dieses erarbeiten bzw. erreichen möchte. Dazu mache ich mir im Vorfeld noch Gedanken, wie ich die jeweilige Übung komplexer oder einfacher machen könnte. In der Einheit entscheide ich dann je nach Qualität der Übungsausführung, in welche Richtung und wie schnell ich mit den Übungsvarianten vorwärtsgehe."

Welchen Tipp möchtest Du allen Trainer*innen in Badminton-Deutschland mitgeben?
„Practice what you preach“ – geht mit gutem Beispiel voran!

Was war Deine emotionalste Erfahrung als Trainer bisher?
„Während meiner Spielerkarriere als „Coach“ des deutschen Damendoppels Johanna Goliszewski und Birgit Michels beim Sudirman Cup 2013. Ich durfte die beiden Mädels gemeinsam mit dem damaligen Chef-Bundestrainer Holger Hasse im fünften und entscheidenden Spiel um den Einzug ins Viertelfinale der Team-WM coachen. Birgit und Johanna haben das Spiel gegen Gastgeber Malaysia im Hexenkessel von Kuala Lumpur gewonnen und wir standen unter den Top-8 Nationen der Welt!

Als Trainer durfte ich in den Jahren bei Swiss Badminton mit dem Jugendteam der Schweiz ebenfalls einige Highlights erleben. Zu den emotionalsten Erfahrungen gehören sicherlich der Einzug von Julien Scheiwiller/Jenny Stadelmann ins Achtelfinale der U19 WM 2017 oder der Viertelfinaleinzug von Yann Orteu/Minh Quang Pham ins Viertelfinale der U19 EM 2018.

Trainerphilosophie

„Meine Trainerphilosophie ist stark von meinen eigenen Erfahrungen und meinem persönlichen Werdegang als Spieler geprägt. Ich bin überzeugt davon, dass wir unser Potential nur ausschöpfen können, wenn die Arbeitseinstellung, der Einsatz und die Leistungsbereitschaft überdurchschnittlich gut sind. Die folgenden „Leitsätze“ geben exemplarisch Einblicke:

  • „Die kleinen Extras (z.B. Zusatzeinheiten, Videoanalysen, etc.) machen auf lange Sicht den Unterschied.“
  • „Der schlechteste Zuspieler ist unser Limit nach oben. -> Wir wollen die besten Zuspieler sein bzw. werden!“
  • „Wir brauchen Energie, Bereitschaft und Bewusstsein für hartes Arbeiten (auf und neben dem Feld).“

Aktuelle Themenbereiche mit der zentralen Trainingsgruppe U19 am BSP in Mülheim an der Ruhr
„Aktuell arbeiten wir an mehreren Sachen, die vor allem im Themenbereich Mindset und Bereitschaft im Training anzusiedeln sind. Im Moment ist unser Fokus auf der Erarbeitung einer individuellen Aufwärmroutine sowie auf der Arbeitsmoral und der Einsatzbereitschaft im Training. Dazu kommt noch die Energie und die Körpersprache der Athlet*innen in den Einheiten. In den ersten Wochen hat sich aus meiner Sicht hier schon eine ganze Menge entwickelt und wir haben als Trainingsgruppe große Fortschritte gemacht."

„Daneben versuche ich immer wieder an das Konzept der „Quality touches“ zu erinnern. Mein Trainerkollege Jeppe Ludvigsen, aktuell Bundesstützpunkttrainer Doppel/Mixed in Saarbrücken hat diesen Begriff in Deutschland eingeführt. Dabei geht es vor allem darum, dass wir die Übungen mit der bestmöglichen Qualität und hohem Fokus auf das Wesentliche in der jeweiligen Übung absolvieren. Stumpfes „Abarbeiten“ bringt uns aus meiner Sicht nur sehr bedingt voran."

Szenarien:

Deine neue Trainingsgruppe ist komplett heterogen, wie gehst Du mit dieser Situation um?
„Ich würde die Trainingsgruppe in verschiedene Leistungsstärken sortieren und im Sinne einer inneren Differenzierung gruppenweise Aufgaben verteilen. Ziel der Einheit soll es sein, dass jeder auf seine Kosten gekommen ist.“

Ein Leben ohne Badminton, wohin mit Deiner Begeisterung?
„Puh…das ist eine sehr schwierige Frage, wozu ich mir bisher ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht habe. Vermutlich würde ich meine Freizeit in einen anderen Sport investieren. Ich brauche irgendeine Form von Sport bzw. Intensität, sonst werde ich nach wenigen Tagen „ungenießbar“. Ich könnte mir auch vorstellen etwas mehr Musik zu machen.

Wenn Du jetzt entscheiden müsstest welchen Schlag und welche Lauftechnik du bis an dein Lebensende durchführen musst, welche sind das?
„…lacht, das wurde ich auch noch nie gefragt! Also in der Lauftechnik würde ich den Ausfallschritt wählen, damit könnte ich ja theoretisch alle Ecken irgendwie abdecken. Als Schlag würde ich den Smash wählen, in der Hoffnung, dass ich dann irgendwann mal lerne, richtig hart zu schmettern.“

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