Am Halbfinalsamstag in der Pariser Adidas Arena wurde einmal mehr deutlich, wie klar die Kräfteverhältnisse im Weltbadminton verteilt sind. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2021 in Huelva kommt es auch in Paris zu einem rein asiatischen Finaltag. Während 2023 in Kopenhagen mit Carolina Marin im Damen-Einzel sowie Kim Astrup/Anders Skaarup Rasmussen im Herren-Doppel noch zwei europäische Vertreter ins Endspiel vordringen konnten, bleibt Europa 2025 außen vor.
Besonders bitter endete der Tag für das dänische Doppel Kim Astrup/Anders Skaarup Rasmussen. Die Weltranglisten-Fünften hatten sich vorgenommen, ihren Finaleinzug von 2023 zu wiederholen, waren gegen Seo Seung Jae und Kim Won Ho aus Südkorea aber völlig chancenlos. Mit 12:21 und 3:21 ging eines der einseitigsten Halbfinals der WM-Geschichte zu Ende – allein zwei der drei Punkte im zweiten Satz resultierten aus Aufschlagfehlern der Koreaner.
Auch die französischen Lokalmatadoren Tom Gicquel und Delphine Delrue hatten gehofft, die Euphorie in der vollbesetzten Arena in ein kleines Märchen zu verwandeln. Nach der Medaillensicherung am Freitag unterlagen sie im Halbfinale jedoch den malaysischen Weltranglistenvierten Cheng Tang Jie und Toh Ee Wei mit 18:21, 16:21. Trotz couragierter Leistung war die Qualität der Asiaten zu hoch, um das Spiel in der entscheidenden Phase drehen zu können.
Der dritte Europäer im Rennen war Anders Antonsen. Der Weltranglistenzweite hatte sich viel vorgenommen, doch gegen den amtierenden Weltmeister Kunlavut Vitidsarn musste auch er in zwei Sätzen die Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Mit 17:21 und 15:21 blieb dem Dänen erneut nur Platz 3 – nach Huelva 2021 und Kopenhagen 2023 holt er sich das Bronze Triple.
Die größte Geschichte des Tages schrieb jedoch ein Spieler von außerhalb der Topnationen. Victor Lai, die aktuelle Nummer 50 der Welt aus Kanada, verpasste das WM-Finale nur um Millimeter. Lai, der noch vor wenigen Wochen bei den Studentenweltmeisterschaften in Mülheim an der Ruhr im Achtelfinale ausschied, hatte nach seinem sensationellen Sieg über Loh Kean Yew im Viertelfinale bereits eine Medaille sicher - und auch im Halbfinale spielte er groß auf. Gegen Shi Yuqi (China) gewann er den ersten Satz klar mit 21:13. Beim Stand von 20:18 im zweiten Satz hatte Victor Lai zwei Matchbälle und war nur wenige Millimeter vom Finaleinzug entfernt, denn ein Lift von Lai landete nur ganz knapp im Aus – die Challenge bestätigte die Entscheidung, und Shi Yuqi kämpfte sich zurück ins Spiel. Am Ende setzte sich der Weltranglistenerste mit 13:21, 22:20, 21:16 durch und zog ins Finale ein.
Damit stehen die Finalpaarungen fest – und sie sprechen eine deutliche Sprache: In allen fünf Disziplinen treten ausschließlich asiatische Spieler:innen an.
Matchübersicht der Finalspiele
Mixed
Jiang Zhen Bang / Wei Ya Xin (China) – Cheng Tang Jie / Toh Ee Wei (Malaysia)
Damen-Doppel
Liu Sheng Shu / Tan Ning (China) – Tan Pearly / Thinaah Muralitharan (Malaysia)
Damen-Einzel
Chen Yu Fei (China) – Akane Yamaguchi (Japan)
Herren-Einzel
Shi Yuqi (China) – Kunlavut Vitidsarn (Thailand)
Herren-Doppel
Kim Won Ho / Seo Seung Jae (Südkorea) – Chen Bo Yang / Liu Yi (China) oder Satwiksairaj Rankireddy / Chirag Shetty (Indien)
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