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"Die Kids sind nur so gut drauf, wie du selbst auch drauf bist"

Timo Ayush kam im Alter von 15 Jahren zum Badmintonsport, davor skatete er und spielte Tischtennis. Durch seine Cousins wurde Timo erstmalig während des YONEX Junior Cup in Berlin in die Badmintonhalle gelockt, in der er sich direkt in die Sportart verliebte.

Von Michael Clemens

 

Im Verein angemeldet, wurde seine Motivation durch gute Trainer*innen stetig größer. Er schätzte sofort das herzliche und offene Umfeld der Badmintongemeinschaft im Verein. Timo beschreibt, dass für ihn, als Jugendlicher, der Anschluss im Verein wichtig für seine Entwicklung war. Derzeit spielt Timo aktiv für SV Berlin Brauereien. 

Wieso ist Badminton die beste Sportart für Dich?
„Badminton ist einfach die beste Sportart, weil sie viele Bereiche den Spieler/innen abverlangt. Am meisten gefällt mir das jeder Ballwechsel anders ist und man auch physische Nachteile durch Spielwitz und Skills ausbügeln kann.“ 

Wie bekommst Du deinen Beruf und die Trainertätigkeit unter einen Hut?
„Ich arbeite nun seit knapp einem Jahr Vollzeit als Produktmanager bei EverState was sich in der Volition meiner eigenen Ausbildung und Trainertätigkeit öfter als gewollt niederschlägt. Trotzdem versuche ich immer das Beste aus mir rauszuholen und ins Training zu gehen.“ 

Wann hast Du dich für Deine Trainertätigkeit entschieden?
„Mit dem Start meines Studiums habe ich mich vermehrt für den Trainerbereich interessiert. Mein Tätigkeitsbereich ging von Universitätssport, Vereinstraining bis hin zur Begleitung von externen Trainingslagern. Hier habe ich mein Hobby in einem kleinen Rahmen zum Beruf gemacht. Im Jahr 2017 schloss ich den C-Trainer ab worauf 2019 die B-Lizenz folgte. Im Oktober 2020 vervollständige ich meine Leidenschaft für den Trainerberuf mit der A-Lizenz.“

Warum bist Du Trainer? Was bedeutet die Tätigkeit für Dich? Gibt es auch Herausforderungen?„Meine Beweggründe als Trainer sind auf meine eigene Jugend zurückzuführen. Trotz meines späten Einstiegs in die Badmintonwelt glaubten viele Trainer*innen an mich, das war ein großartiges Gefühl, welches ich zurückgeben möchte.“

„Seit ich als Produktmanager arbeite, merke ich die Zeitproblematik stärker. Hinzu kommt die teils geringe Wertschätzung unserer Arbeit und eine geringe Vergütung für den Aufwand, den man betreibt, wobei das nicht das Hauptaugenmerk ist.“ 

Wie sehen Deine zukünftigen Planungen als Trainer aus?
„Das Trainerdasein ist für mich derzeit ein Nebenberuf. Mit dem Gedanken einer Vollzeittrainerstelle spiele ich von Zeit zu Zeit. Mein derzeitiger Fokus ist es, meine U11-Athleten*innen so gut wie möglich zu betreuen.“ 

Wer hat Dich geprägt als Trainer? Wer ist Dein Vorbild?
„Das sind Lutz Friedrich mit seinem unbeugsamen strebhaften Engagement für junge Athleten*innen und Kay Witt. An Kay begeistert mich sein Blick für die wichtigen Dinge und sein Vermittlungsweg, welcher durchtrieben mit Humor ist.“

Gibt es drei Dinge, die Du als Trainer über Dich als Mensch gelernt hast?
„Ich habe die letzten Jahre gelernt, dass ich oft zu ungeduldig bin. Weiterhin sind für junge Athlet*innen viele Sachen nicht so logisch, wie ich das oft vermute. Zudem hat mich das Trainerdasein gelehrt, dass ich gut mit Kindern und Jugendlichen arbeiten kann und möchte.“ 

Auf welchem Gebiet bist Du Experte?
„Den besten Input kann ich in doppelspezifischem Training geben.“

Was macht Dein Training aus? 
„Mein Training ist abwechslungsreich, spaßig und persönlich.“

Welcher Rat hat Dir in Deiner Trainerlaufbahn geholfen? 
„'Nein' sagen lernen und sich auch bewusst Zeit für sich selbst nehmen.“

Welchen Tipp würdest Du allen Trainern*innen mit auf den Weg geben?
Die Kids sind nur so gut drauf, wie du selbst auch drauf bist. Der Trainer bestimmt die Trainingsatmosphäre.“

Was ist Deine Geheimwaffe, um Athleten zu motivieren?
„Ich interagiere sehr viel und positiv mit meinem Athleten*innen. Zu meinem Gemüt zähle ich Spaß und Witz, das erzeugt in der Regel eine gute Trainingsatmosphäre.“

Was war Deine emotionalste Erfahrung als Trainer bisher?
„Auf einer Deutschen Meisterschaft habe ich vor ein paar Jahren eine sehr schlechte Entscheidung getroffen. Meiner Meinung nach spielte die Athletin deshalb deutlich unter ihren Möglichkeiten. Dieser Fehler wird mir sicherlich nicht nochmal passieren.“

„Sehr emotional positiv nehmen mich die Spiele von Kian-Yu Oei (aktuell U19) mit. Sein Spielstil ähnelt meiner Denkweise von Badminton und ist aufgrund seiner Höhen und Tiefen immer spannend.“ 

Visionen Strukturen, Vereine und Verbände

Was passiert bei Euch derzeit?
„Derzeit haben wir hier in Berlin sehr viele gute U11 und U13 Spieler*innen. Mein Anliegen ist es, diese Athleten*innen so gut wie möglich zu fördern, sodass sie ihr Niveau mindestens halten oder verbessern können.“

Was muss in Badmintondeutschland deiner Meinung nach verbessert werden, um langfristig mehr Erfolg in der Sportart international zu haben? 
„Meiner Meinung nach haben wir nur dann langfristig bessere Chancen in der Weltspitze, wenn eine kulturelle Veränderung eintritt. Darunter verstehe ich nicht nur die finanzielle und gesellschaftliche Wertschätzung der Sportart, sondern auch die Trainingskultur. Im Topbereich geht es letzten Endes viel um Wiederholungszahlen, welche nur mit einem adäquaten Trainingsumfang erreicht werden können.”

“Mit dem Hintergrund, das in der Weltspitze verschiedenste Interpretationen von Technik beobachtbar sind, denke ich das in Deutschland oft zu sehr auf das Detail geachtet wird. Meiner Meinung nach sollten wir die jungen Athleten*innen deutlich mehr ausprobieren und entfalten lassen.”

„Abschließend möchte ich die Thematik der ehrenamtlichen Trainer*innen anführen. Der Trainerberuf muss weg von der Ehrenamtlichkeit hin zu einem strukturierten Berufsverband mit Verträgen. Dadurch erhalten die Trainer*innen mehr Sicherheit und ihre verdiente Anerkennung für die umfassende und hoch anspruchsvolle Arbeit mit den Athleten*innen.“

Szenarien:

Du trainierst spontan eine Kindergartengruppe mit 30 Teilnehmer*innen, die keine Badmintonerfahrung haben, was tust Du?
„Viele kleine Spiele ohne Netz, wie zum Beispiel Badmintonzirkus, um ein Gefühl für den Schläger zu vermitteln.“

Marvin Seidel fragt bei Dir Individualtraining an, fühlst Du dich bereit?
„Also technisch kann ich Marvin nichts beibringen, jedoch würde ich mir das Zuspiel per Ballmaschine zutrauen.“  

Du beschließt von heute auf morgen die Nebentätigkeit als Trainer hinzuschmeißen, was machst Du stattdessen?
„In meinem sozialen Umfeld dreht es sich hauptsächlich um Badminton, deswegen kommt das nicht in Frage. Da ich durchwegs sportbegeistert bin, würde ich die freie Zeit wahrscheinlich für andere Sportarten wie Basketball, Tennis oder Golf nutzen.“

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