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"Badminton muss das Geilste sein"

Der Auslöser für Philipp Nebendahl, an dem Sport dranzubleiben, war der Satz, „Du kannst das nicht, du bist zu alt!“. Er startet erst im Alter von 16 Jahren wirklich in den Trainingsbetrieb, mit zwei Einheiten die Woche. Zuvor hatte er nur mit seinem Vater und Onkel "herumgedattelt".

Von Michael Clemens

 

Der richtige Einstieg begann beim SV Hammer und bei Blau-Weiß Wittorf Neumünster, mit dem er auch 2016 auf die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften fuhr. Seither hat sich die Leidenschaft und Begeisterung Philipps stetig vermehrt. Als wir miteinander skypen, befindet er sich gerade in einer Badmintonhalle. Man merkt ihm direkt an, das ist ein Ort, an dem er sich Zuhause fühlt. Auch ein wenig aus der finanziellen Not geboren, entdeckt Phillip zunächst neben der Schule und später neben dem Jura-Studium das Trainerdasein für sich (B-Lizenz 2019). Er bemerkt schnell, dass er mit seiner Begeisterung und Motivation für den Badmintonsport, andere Menschen fesseln und auf seinen Weg mitnehmen kann.

Ein weiterer Antrieb für den Sprung vom Spieler zum Trainer ist das noch unbefriedigende Trainingsangebot in seinem Verband. Er meint, dass es schwierig ist, für U15-Spieler*innen mehr als drei Mal die Woche Vereinstraining zu erhalten und somit konkurrenzfähig zu bleiben. Deshalb gibt er trotz des im Oktober begonnenen Rechtsreferendariats weiterhin Training und bietet Lehrgänge für den Landeskader an. Wie sich Philipp in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Werte er als Trainer und Spieler vertritt, erfaht ihr im nachfolgenden Interview.

Was begeistert Dich so an der Sportart Badminton?
„Mich begeistert der enorme körperliche Anspruch, den ich selbst immer wieder im eigenen Training wahrnehme. Zudem finde ich es klasse, dass es egal ist, welche Voraussetzungen man mitbringt, da in den unterschiedlichen Disziplinen ganz verschiedene Fähigkeiten gefragt sind.“

Warum bist Du Trainer? Was bedeutet die Tätigkeit für Dich?
„Ich arbeite schlicht und einfach unglaublich gerne mit Menschen zusammen. Ebenso finde ich es schade, dass es heute in immer weniger Vereinen gutes Training gibt, das hat mich angespornt, meine Leidenschaft weiterzutragen.“

Wer hat Dich als Trainer geprägt?
„Einer meiner ersten Trainer war Sascha Plietzsch, der mich immer wieder anspornte! Was er mir immer wieder coachte war: DU kannst das schon besser!“

Lesen Sie auch: Alle bisherigen Interviews der Reihe "Trainer in Sportdeutschland".

Was war Deine emotionalste Erfahrung als Trainer bisher?
„Als ich für Wittorf gegen Wipperfeld das zweite Herreneinzel in einem Bundesligaspiel gecoacht habe. Bei diesem Spiel habe ich gemerkt, wie sehr man als Coach mitfiebern und wertgeschätzt werden kann.“

Welche drei Dinge hast Du als Trainer bisher gelernt?
1. Planung und Koordination ist wichtig, vor allem Kinder- und Jugendliche erkennen schnell unstrukturiertes Training.
2. Zuverlässigkeit von Trainer*innen ist für die Gruppe ebenfalls enorm wichtig. Erstens kann man als Trainer*in keinen Maßstab verlangen, den man selbst nicht halten kann, zweitens müssen die Athlet*innen sich auf ihre*n Trainer*in verlassen können.
3. Die dritte bedeutende Eigenschaft ist die Selbstreflexion. Die eigene Wirkung und das Handeln zu hinterfragen, fördert die Kompetenz des Trainers enorm. Nur so können gemachte Erfahrungen einen tatsächlichen Mehrwert für die Persönlichkeitsentwicklung liefern.

Welche To-Do´s stehen noch auf Deiner Liste?
„Ich muss weiterhin an technischen Details arbeiten. Ich merke einfach oft, dass mein Technikbild von Badminton noch nicht ausgereift genug ist. Weiter arbeite ich gerade daran, mich selbst öfter zu bremsen. Ich ertappe mich oft dabei, dass der Anspruch, den ich an mich selbst Stelle, auf die Kids übertrage.“

Wie sollte eine optimale Trainingsatmosphäre für ein erfolgreiches Trainingssetup aussehen?
„Die Gruppe sollte aus kollegialen Spieler*innen bestehen, die aber den Anspruch an sich selbst haben, der/die Beste der Gruppe zu werden. Zudem sollte jede*r Athlet*in, gleichzeitig selbst Trainer*in in der Gruppe sein und seine Konkurrenten und Partner antreiben.“

Was sind Deine drei Tipps, wie man als Trainer*in im Training auftreten sollte?
„Du musst selbst für die Sache brennen und motivierend auftreten, das ist die halbe Miete im Kinder- und Jugendbereich. Weiter schätzen alle Athleten*innen Verlässlich- und Gewissenhaftigkeit.“

Was ist Deine "Best-Practise-Übung" im Kinder- & Anfängertraining?
„Alle möglichen Variationen an Warm-Up Minigames (z.B. Halbfeldeinzel mit Einschränkungen), welche vor allem variationsreich sind und Konkurrenz als Motiv innehaben.“

Gibt es eine Maßnahme mit der Du Unpünktlichkeit in den Griff bekommen hast?
„Das regelt die Gruppe unter sich. Wer zu spät kommt, muss im nächsten Training Schokolade mitbringen.“

Welches Wort verwendest Du häufigsten beim Loben deiner Athleten*innen?
„Stark! Bombe!“

Welche Momente im Training zaubern Dir ein Lächeln ins Gesicht?
„Wenn Athlet*innen, die vorher nicht so motiviert vom Badmintonsport waren, auf einmal anfangen zu brennen.“

Welcher Rat hat Dir in Deiner Karriere am meisten geholfen?
„Es gibt nicht nur ein Technikbild, sondern nur eine Lösung, die kommen muss.“

Welchen Tipp möchtest du allen Trainer*innen in Badminton-Deutschland mitgeben?
„Trainer*in kann man nur sein, wenn man selbst begeistert ist und für den Sport brennt.“

Szenarien:

Die Halle ist unerwartet geschlossen, was tust Du nun mit deiner Trainingsgruppe?
„Koordinationsleitern schnappen, auf den Sportplatz und los! Ansonsten eine andere Ballsportart die Outdoor gut gespielt werden kann z.B. Völkerball oder Volleyball, ausprobieren. Absagen ist keine Alternative.“

Im Sommer sinkt die Motivation Deiner Gruppe in der Halle zu trainieren, wie motivierst Du sie?
„Da fällt mir der Spruch von Detlef Poste ein: Badminton muss das Geilste sein, was sich ein Spieler vorstellen kann. Ich habe vor der Sommerpause mindestens acht Monate Zeit, die Kids zu begeistern, wenn ich es bis dahin nicht geschafft habe, habe ich versagt.“

Deutschland gewinnt im Para-/Badminton Olympia 2024 eine Goldmedaille, wie reagierst Du?
„Das würde mich für die deutsche Nationalmannschaft sehr freuen. Badminton-Deutschland wird meiner Meinung nach kleiner gemacht als es ist.“

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