(Foto: Claudia Pauli)

Interview

Heino Knuf: "Badminton soll eine wichtigere Rolle in der deutschen Sportlandschaft spielen"

Heino Knuf, langjähriger Sportdirektor des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), ist seit 1. Oktober 2020 neuer DBV-Geschäftsführer. Wir sprachen mit dem 59-Jährigen über sein neues Tätigkeitsfeld.

Von Redaktion

 

badminton.de: Mark Lamsfuß und Isabel Herttrich haben am vergangenen Wochenende mit den Denmark Open eines der wichtigsten Turniere der Badminton-Welt gewonnen. Was bedeutet dieser Triumph für den DBV?

Heino Knuf: Das ist ein großartiger Erfolg und hilft natürlich, Badminton in Deutschland ins mediale Rampenlicht zu bringen. Solche Erfolge helfen einer Sportart auf allen Ebenen: Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, Ansporn für den Nachwuchs und Hilfe in den Gesprächen mit den Partnern des Leistungssports.  

badminton.de: Was sind Ihre ersten Aufgaben als neuer DBV-Geschäftsführer?

Knuf: Die wichtigste Aufgabe war und ist für mich zuerst einmal, mein Team in der Geschäftsstelle kennenzulernen und gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen, die sehr engagiert und kompetent mich unterstützen, die Rahmenbedingungen für die gemeinsame Arbeit zu verbessern. Ich komme aus einer Mannschaftssportart und weiß was ein Team leisten kann, wenn es gemeinsam „auf ein Tor“ spielt.  Darüber hinaus bin ich bestrebt, möglichst schnell mit allen entscheidenden Personen im DBV, den BLV und den DBLV in Kontakt zu kommen. Dann verschaffe ich mir gerade einen Überblick über die digitale Medien- und Kommunikationslandschaft im DBV. Hier bin ich sehr beeindruckt wie der Verband aufgestellt ist. Als Geschäftsführer ist für mich eine vernetzte Kommunikation innerhalb des Verbandes und zusammen mit den Landesverbänden eines der zentralsten Themen für die Zukunft. Dank Dominik Meyer als IT-Beauftragtem verfügt der DBV bereits über sehr gute Voraussetzungen. Auf dieser Grundlage werde ich das Thema in den nächsten Monaten weiter vorantreiben.

Für mich ist eine vernetzte Kommunikation innerhalb des Verbandes und zusammen mit den Landesverbänden eines der zentralsten Themen für die Zukunft

Heino Knuf

badminton.de: Sie kommen ursprünglich aus dem Hockey-Sport und haben dort erfolgreich als Sportdirektor des Verbandes (DHB) gearbeitet. Was kann Badminton von Hockey lernen?

Knuf: Ein wesentlicher Baustein des Erfolges im Hockey basiert auf einem sehr erfolgreichen Talentsichtungs- und Talentfördersystem. Alle Nationalspielerinnen und -spieler werden spätestens im Alter von U16 von den hauptverantwortlichen Bundestrainern gesichtet und systematisch in die Nationalmannschaften und damit in die absolute Weltspitze geführt. Die in der DOSB-Leistungssportreform geforderte Richtlinienkompetenz wird hier zu 100 % umgesetzt. Die jeweiligen Landesverbände unterstützen hier sehr engagiert und kompetent.  

badminton.de: Und was kann Hockey von Badminton lernen?

Knuf:
Was mir sehr gut gefällt in meinen ersten Tagen im DBV ist, dass die Verbandsführung versucht, alle seine Mitglieder aktiv mitzunehmen. Auch wenn eventuell die Eigenwahrnehmung eine andere sein kann, so erlebe ich wie Thomas Born als Präsident mit seinen Präsidiumskollegen und den hauptamtlichen Führungskräften im Leistungssport alles daran setzt, gemeinsam mit den Stakeholdern, Badminton in Deutschland voranzubringen und zukunftssicher zu machen.  

badminton.de: Was wussten Sie im Vorfeld über die Sportart Badminton?

Knuf: Ich wusste, dass Badminton eine sehr intensive Sportart ist mit hochkomplexen Bewegungsabläufen. Was ich nicht wusste ist, dass es die schnellste und nach Fußball auch die meistverbreitete Sportart weltweit ist.  

badminton.de: Was sind Ihre langfristigen Ziele im DBV?

Knuf: Ich möchte zusammen mit der Verbandsführung und allen Beteiligten im DBV und auch mit den Landesverbänden die Führungs- und Organisationsstruktur so weiter entwickeln, dass Badminton in Zukunft eine zunehmend wichtigere Rolle in der deutschen Sportlandschaft und im internationalen Badminton spielt. Dafür benötigt der DBV aber auch eine Stärkung der hauptamtlichen Mitarbeiterstruktur. Ein Verband mit fast 190000 Badmintonspielerinnen und –Spielern braucht mehr Manpower vor allem in der Geschäftsstelle. Das wiederum bedeutet ein Ausbau der finanziellen Ressourcen. Dafür benötigen wir mehr Fördermittel, aber auch mehr Mitgliederbeiträge. Nur so können wir im Wettkampf mit den anderen Sportarten auch in Zukunft bestehen.  

badminton.de: Der DBV-Verbandstag findet nun online statt. Ein Schritt, den bereits BEC und BWF gehen mussten. Wie laufen die Vorbereitungen dazu und wie wird so ein Verbandstag in digitaler Form ablaufen?

Knuf: Die Vorbereitungen laufen natürlich auf Hochtouren. Wir alle sammeln jetzt erste Erfahrung in der Vorbereitung mit einer Online-Veranstaltung. Aber auch hier zeigt sich, wie gut der DBV im IT-Bereich aufgestellt ist. Ich bin davon überzeugt, dass der DBV einen ordnungsgemäßen Verbandstag durchführen wird.  

badminton.de: Am Verbandstag wird auch der DBV-Strategieplan 2021-2024 präsentiert. In welche Richtung geht der DBV in den kommenden vier Jahren?

Knuf: Der Strategieplan, den der DBV beim Verbandstag 2020 vorstellen wird, ist nur ein erster Entwurf. Erst wenn wir auch den Input der Landesverbände und von weiteren ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern aus den verschiedenen Ebenen haben, werden wir final wissen, in welche Richtung es geht. Wovon ich aber jetzt schon überzeugt bin ist, dass wir neben dem Bereich Leistungssport, den Bereich Breitensport/Sportentwicklung als zweite starke Säule im DBV weiter aufbauen werden. Dann gilt es, die Führungs- und Organisationsstruktur weiter zu entwickeln, damit die Zusammenarbeit aller im Badminton effektiver und effizienter wird.

Herr Knuf, wir danken Ihnen für das Interview.

Weitere Neuigkeiten